Steillage

 Lage mit einer Hangneigung von mindestens 30 %Steillagen gibt es in fast allen deutschen Anbaugebieten. Steigungen von 100 % – das entspricht einem Steigungswinkel von 45 Grad – sind keine Seltenheit. Die Bewirtschaftung ist schwierig, ohne Seilzug geht fast nichts und die meiste Arbeit muss noch von Hand erledigt werden; Weine aus wirklich steilen Lagen sind deshalb oft bis zu einem Drittel teurer. Die steile Lage bringt aber auch Vorteile für den Wein. Die stärkere Sonneneinstrahlung kann höhere Oechslegrade und mehr Reflektionswärme des Bodens bewirken, die vielen Mineralstoffe aus dem Gestein tun für die Weinaromatik (bei gekonntem Weinausbau) ihr Übriges. Leider sind die Reben in Steillagen ebenso von Schadinsekten und Pilzbefall betroffen wie anderswo und was den Wasserhaushalt betrifft, leiden die Reben in Steillagen eher unter Trockenstress – deshalb muss hier sogar zusätzlich bewässert werden. Ein weiterer, ganz anderer Aspekt ist die Erhaltung historischer Kulturlandschaftsformen und -bilder durch die Bewirtschaftung dieser Lagen, die in manchen Regionen mittels Subventionen erreicht werden soll.Durcheinander geht es manchmal mit den Angaben in Grad und Prozent. Die Umrechnung von Prozent in Grad Hangneigung scheint auf den ersten Blick knifflig, ist sie aber gar nicht, denn der Tangens des Winkels, den die Hangneigung mit der Horizontalen einnimmt ist gleich der Prozentangabe geteilt durch 100. Der Tangens ist einem konkreten Wert in Grad zugeordnet, den man aus einer Tangenstabelle (oder einem Taschenrechner) ablesen kann. Diese Methode eignet sich besonders dann, wenn die Tabellen der Dachdecker keinen Wert mehr ausspucken, weil es denen schon zu steil ist. Der Engelsfelsen im badischen Bühlertal, dessen steilstes Stück 75 Grad Steigung (oder Neigung) hat, kommt übrigens auf unglaubliche 373,2 Prozent. Um einen der beiden Begriffe Steillage bzw. Steillagenwein auf dem Etikett als Besonderheit auszuweisen, genügt es allerdings ab August 2014 in Rheinland-Pfalz nicht mehr, dass die Reben für den betreffenden Wein lediglich in einer entsprechend steilen Lage stehen, sie müssen nun auch zusätzliche Qualitätsforderungen erfüllen und zwar in den Anbaugebieten Mosel, Nahe, Rheinhessen, Pfalz und Mittelrhein. Erlaubt sind die Bezeichnungen nur noch für Weine mit einer geschützten Ursprungsbezeichnung (g.U. bzw. QbA und aufwärts), es dürfen nur noch wenige Rebsorten dafür verwendet werden (Riesling, Weißburgunder, Grauburgunder, Frühburgunder und Spätburgunder); außerdem müssen die Weine bei der Anstellung zur AP.-Nummer mindestens 3 Punkte erhalten haben und ihr natürlicher Mindestalkoholgehalt muss dem des Prädikates Kabinett entsprechen. Diese Vorschriften gelten auch für die Verwendung der Begriffe Terrassenlage bzw. Terrassenlagenwein. PB20140422 

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