Rebschnitt

  Maßnahme zur Erziehung des Rebstocks und zur Ertragsregulierung im ausgehenden Winter Mit dem Rebschnitt erfüllt der Winzer zwei wesentliche Aufgaben im Weinberg: Das Bändigen des Stockes - damit meint man, dass der Rebstock eine Form erhält, die nicht nur das Arbeiten im Weinberg und am Stock selbst erleichtert, z. B. weil keine Triebe in die Gassen hängen etc.; sondern auch, damit sich die Fruchttriebe in geeigneter Weise entwickeln können und die Trauben Raum und Licht haben etc. - und ordentlich soll es ja auch aussehen. Noch wichtiger fast ist aber der Aspekt der Ertragsregulierung. Zum einen, um den Rebstock nicht zu überfordern (obwohl der sich durchaus darauf einstellen kann, siehe unter Minimalschnitt), zum anderen aus Qualitätsgründen und um in diesem Zusammenhang vorgeschriebene Höchstmengen nicht zu überschreiten (rebsortenabhängig). Eine entsprechende Feinregulierung des Ertrages wird heute oft in einem weiteren Arbeitsschritt im Sommer durchgeführt, den der Winzer Traubenteilung oder Ausdünnung nennt, je nachdem, welche Methode er bevorzugt. Während die Art des Rebschnitts eng mit der Form der Reberziehung verknüpft ist, bleibt die Mengenregulierung davon weitgehend unabhängig, vom Minimalschnitt einmal abgesehen. Der beste Zeitpunkt für den Rebschnitt liegt eigentlich nach der letzten Frostperiode des ausgehenden Winters, auf jeden Fall aber noch vor dem Austrieb. Die meisten Betriebe müssen die recht zeitaufwändige Tätigkeit aus Kapazitätsgründen allerdings in den betrieblich etwas weniger belasteten Januar legen, auch wenn das für die Rebstöcke nicht ideal ist. Unter gewissen Umständen (Kordonerziehung mit Zapfen) kann der Rebschnitt maschinell vorbereitet und dann von Hand nachgearbeitet werden, oder er wird komplett von Hand durchgeführt, was fast die halbe Arbeitszeit im Weinberg über das Jahr gesehen ausmacht (120 Stunden pro Hektar). Bei einem Maschineneinsatz schneidet der Rebvorschneider (über der Zeile oder in einer Gasse fahrend) auf der eingestellten Höhe alle Triebe so ab, dass der Winzer in der Nachbearbeitung nur noch die Zapfen anschneiden muss, das Ausheben und Häxeln entfällt weitgehend. Am einjährigen Holz bleiben nur ein oder zwei Augen zum Austrieb. Allerdings ist nicht jede Rebsorte für den Kordonschnitt mit Zapfen geeignet, bei Riesling gibt es nach Aussagen von Fachleuten als eine der wenigen Sorten keine Probleme, Trollinger oder Lemberger wiederum sind dafür wegen ihrer geringen basalen Fruchtbarkeit weniger geeignet. Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer Aspekte zu berücksichtigen wie z. B. eine aufwändigere Lesearbeit gegenüber dem Bogenschnitt (bei Handlese). Aber auch bei maschinellem Vorschnitt bleiben auf jeden Fall noch andere von Hand durchzuführende Schnittarbeiten wie z. B. Verjüngungsmaßnahmen u. a. Eine bei uns wegen mancher Vorteile gern verwendete, aber in Bezug auf einen Vorschnitt nur manuell zu bewältigende Methode ist der Anschnitt von einer oder zwei Bogreben. Dazu werden alle einjährigen Triebe bis auf ein oder zwei besonders geeignete (Wuchs, Lage am Stock) weggeschnitten. Nun wird das alte Rebholz entweder in einem extra Arbeitsgang herausgenommen, oder eine spezielle Maschine übernimmt diese Arbeit. Moderne Geräte heben die vorher ausgehängten Drähte nach oben und ziehen das daran hängende, ganz unten abgeschnittene Rebholz in einen Häxler, die Drähte gleiten danach einigermaßen geordnet auf den Boden. Das spart auf jeden Fall das anstrengende Herausziehen des geschnittenen Holzes von Hand und das manuelle Häxeln. Die verbliebenen Ruten, die bereits zuvor soweit eingekürzt wurden, dass sie gut über den darüber liegenden Draht gebogen und an dem Draht eins darunter etwa auf der Höhe des Rebkopfes gebunden werden können; dabei sollten pro Stock im normalen Ertragsweinbau nicht mehr als etwa 16 bis 20 Augen angeschnitten werden, eine geringere Zahl bringt in der Regel eine Qualitätssteigerung - die Remstalkellerei bietet z. B. eine qualitativ hochwertige Range mit Weinen, deren Lesegut aus einem Anschnitt mit nur 6 Augen pro Stock stammt. Als Vorteile für den Bogenschnitt gegenüber dem Kordon mit Zapfen werden u. a. genannt (nach Pfaff): bessere Trieb- und Traubenentwicklung, geringere Beschattung - bessere Belichtung, Stockpflege leichter durchzuführen, geringere Gefahr von Pilz- und Milbenbefall, bessere Holzreife und Fruchtrutenentwicklung, freier hängende, leichter zu lesende Trauben etc. PB20140117

Zurück