kommissionär, weinkommissionär

 Weinmakler, der gewerbliche Käufe zwischen Erzeuger und Kunde abwickelt Wie überall dort, wo etwas gewerblich verkauft oder verpachtet wird, gibt es auch für die Weinbranche Makler, die den Kontakt zwischen Kunde und Erzeuger herstellen bzw. die Abwicklung von Geschäften organisieren. In Frankreich, besonders in Bordeaux, spielt der Weinkommissionär (Courtier) eine herausragende Rolle im Weinhandel. Der durchaus ehrenwerte und für alle Beteiligten meist Nutzen bringende Beruf des Weinkommissionärs ist schon sehr alt und entwickelte sich wahrscheinlich aus der Tätigkeit der so genannten Weinsticher. Wie aus dem sehr interessanten Buch Die Frankfurter Messen im Mittelalter von Michael Rothmann hervorgeht, trat der Weinsticher besonders im Zusammenhang mit der Frankfurter Messe in Erscheinung, wo eine Verordnung von 1350 den Weinsticher als offizielle Kontrollinstanz und gleichzeitig als Unterverkäufer vorschrieb, der nur einwandfreie Ware weiterverkaufen durfte. Zur damaligen Zeit taten in Frankfurt etwa 30 bis 35 solcher Weinsticher ihren Dienst, die alle selbst aus der Weinbranche (und übrigens auch aus Frankfurt) stammen mussten, aber alle zwei Jahre (aus gutem Grund) ausgetauscht wurden. Der Weinsticher musste, wenn auf dem Main ein Schiff mit Wein angekommen war, vor Ort seinen Dienst anbieten, was aber weniger ein Dienst und auch kein echtes Angebot, sondern eher eine Kontrolle der Ladung war. Wenn alles in Ordnung war, erhielt die Ware das Siegel des Stichers, der dann den Kontakt zu möglichen Kunden herstellte oder den Wein für einen Festpreis pachtete, von dem er die Abgabe (früher das Stichgeld, heute die Maklergebühr) als sein Verdienst abzog und die Ware selbst feilbot.  PB20130710

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