Goldgelbe Vergilbung

 Farblich sehr auffallende Rebkrankheit Vor 60 Jahren ist in Europa diese ziemlich gefährliche Rebkrankheit aufgetaucht, die – wie so Vieles – aus Nordamerika zu uns gekommen ist. Wobei „zu uns“ nicht ganz richtig ist, weil Deutschland bis zum heutigen Tag (2013) wohl noch nicht betroffen ist. Ihren Ausgang innerhalb Europas nahm die Krankheit vermutlich auf Korsika, von wo sie in den Südwesten Frankreichs kam, und sich sowohl bis Spanien als auch nach Italien und seit einiger Zeit (2009) bis nach Österreich ausgebreitet hat. Auslöser sind bakterienähnliche Mikroorganismen, die von einer auf die Rebe spezialisierten amerikanischen Zikadenart übertragen werden. Zwar lassen sich die übertragenden Insekten mit Spritzmitteln bekämpfen, einmal infizierte Stöcke müssen jedoch gerodet werden, weil diese eine Ansteckungsgefahr für Nachbarstöcke darstellen. Hier liegt noch ein weiteres Problem, denn die Krankheit wird lange nicht entdeckt – sie macht sich frühestens im Jahr nach der Infizierung durch dann allerdings recht typische Symptome bemerkbar; eines davon ist eine sehr auffällige Gelbfärbung der Blätter bei Weißweinsorten und im Gegenzug die tiefrote Verfärbung bei den roten Sorten.Die „Flavescence dorée“, wie sie in Frankreich von Fachleuten genannt wird, hört auf Deutsch (nur halb übersetzt) auf den etwas seltsamen Namen Goldgelbe Vergilbung“, auch wenn die Verfärbung bei den roten Sorten tiefrot ist. Das leuchtende Gelb der Blätter ist deshalb für den Namen der Krankheit verantwortlich, weil sie erstmals an der weißen Hybrid-Sorte Baco Blanc entdeckt wurde (ca. 1950). Als deren Verwendung im Ertragsweinbau noch erlaubt war (noch bis ca. 1970), war sie eine gefragte Rebe für die Armagnac-Produktion, heute ist es Ugni Blanc.  Es gibt weitere Symptome, die auf eine Goldgelbe Vergilbung hinweisen; dazu gehören nach unten eingerollte Blätter, starke Verrieselung, schwarze Stellen zwischen den einzelnen Knoten, im Herbst Nekrosen an den Blattadern etc. Nicht jede Rebsorte ist gleichermaßen anfällig für die Arbeit der auch „Phytoplasmen“ genannten Erreger; besonders jedoch die weithin bekannten Sorten wie Sangiovese, Chardonnay, Cabernet Sauvignon, Sauvignon Blanc etc. Wie man aus Österreich hört, soll auch Riesling betroffen sein. Falls der Lebensraum der fraglichen Zikade durch das immer wärmer werdende Klima irgendwann bis nach Deutschland reicht, könnte das ein veritables Problem werden.   PB20130530

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