Drahtrahmenerziehung

Reberziehung auf einem Drahtrahmen entlang der Zeilen Zur Reberziehung, also zur Befestigung von Bogreben, zur Stabilisierung der Blattwand bzw. zur Führung der jungen Fruchttriebe greift man bis zu einer bestimmten Hangneigung in Deutschland gern auf die Unterstützung eines Drahtrahmens zurück. Die Drähte werden dazu an beiden Enden der Zeile an zwei kräftigen, schräg zur Zeile in den Boden getriebenen Pfosten befestigt und auf Spannung gehalten. Zur Sicherung der Stabilität des Drahtrahmens stehen in der Zeile in gleichen Abständen einzelne Stickel aus Metall, manchmal aus Holz, im Süden oft noch aus Beton.Bei der Anzahl der Drähte und ihren Abständen voneinander unterscheiden sich die Anlagen durchaus voneinander, was auch von der Mechanisierung von Arbeitsgängen wie Laubschnitt, Gipfeln oder auch die Lese mit einem Traubenvollernter abhängt. Hier ein Beispiel bei Erziehung mit Halbbogen: Vom Boden aus gesehen verläuft der erste Draht in einer Höhe von etwa 50 bis 60 cm (je nachdem, in welcher Höhe die Bogreben aus dem alten Holz wachsen), an ihm werden die Bogreben in Zeilenrichtung gebunden, nachdem sie zuvor über einen etwa 30 cm darüber verlaufenden Draht gebogen und wieder nach unten geführt wurden. Über dem zweiten Draht folgen im Abstand von ca. 30 cm zwei parallel nebeneinander verlaufende Drähte, die eine Führung der Fruchttriebe erlauben, indem man diese dazwischensteckt, wenn sie lang genug sind. Etwa 50 bis 60 cm oberhalb verlaufen erneut zwei Drähte nebeneinander mit derselben Aufgabe. Triebe, die über die letzten Drähte deutlich hinauswachsen, werden zu einem geeigneten Zeitpunkt gegipfelt.Die Idee, im Weinberg mit Drahtrahmen zu arbeiten, ist schon älter. Der damalige Betriebsleiter der Lehranstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau in Geisenheim, Franz Zweifler, stellte bereits ab 1885 Versuche mit Drahtrahmen für die Reberziehung an; diese Methode löste später die traditionelle Einzelpfahl-Unterstützung ab, wie sie in Steillagen heute zwangsläufig noch zum Einsatz kommt. Wesentliche Voraussetzung für die Einführung der Drahtrahmenunterstützung war die Verfügbarkeit geeigneten Drahtmaterials, was erst im späteren 19. Jahrhundert mit der Erfindung des so genannten Windenscheiben-Grobzuges zum kontinuierlichen Ziehen von Drähten gelang. Bleiben wir bei den Drähten und schauen, welche Voraussetzungen sie heute erfüllen sollten: Wichtig ist die Haltbarkeit (Zugfestigkeit, Korrosionsfestigkeit), das Gewicht und eine möglichst geringe Längenausdehnung (z. B. Edelstahl mit nur 3 %); Verwendung findet allerdings sehr häufig eine Zink-Aluminium-Legierung, genannt Galfan (von engl. galvanised fantastique), mit dem Anteilverhältnis 95/5. Diese ist günstiger als Edelstahl, rostet nicht, und die Längenausdehnung liegt mit 5 – 10 % (gegenüber dreifach verzinktem Draht mit 15 %) für den Weinbau in einem guten Bereich.PB20130510 

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