Spitzenjahrgang

 Ein im Vergleich mit anderen Jahren als besonders gut eingestufter Jahrgang in einer Region Das Thema Jahrgangsbewertung haben wir teilweise unter dem Stichwort Jahrgangstabelle bereits abgehandelt (siehe dort), was den absoluten Spitzenjahrgang angeht, muss noch Folgendes ergänzt werden: Es gibt - vor allem in den Regionen, wo nach Ansicht vieler Fachleute die hervorragendsten Weine herstammen wie Bordeaux, Burgund, Toskana, Piemont und natürlich die deutschen Weinbaugebiete - durch den unterschiedlichen Verlauf der Witterung auch sehr unterschiedliche Jahrgänge, nicht jeder ist dazu angetan, tatsächlich das Beste aus den Reben herauszuholen, ganz unabhängig vom jeweiligen Winzer. Während man sich über die Zwischentöne oft streiten kann, ist man sich jedoch über die schlechtesten und die besten Jahrgänge (in Bezug auf bestimmte Weine) meist einig, ein Beispiel: In den 80er-Jahren gab es im Piemont für Barolo zwei herausragende Jahrgänge: 1985 und 1989 und zwei miserable 1984 und 1987. Hat man die Gelegenheit einen Barolo von einem sehr guten Erzeuger z. B. von 1985 und einen von 1984 zu vergleichen (falls überhaupt jemand in diesem Jahr einen Barolo vinifiziert hat) wird man zwei Welten erleben: Der 1984er Barolo ist garantiert mausetot, der 1985er, nur ein Jahr jünger, reift gerade seinem Höhepunkt entgegen. Das Ergebnis einer so langen Entwicklung sind komplexe Strukturen und Aromen, die man sonst nirgendwo antrifft. Im Jahr 1985 war der Witterungsverlauf rund um Alba optimal, es hat alles gepasst, was für die Entstehung eines Spitzenjahrganges nötig war.  Allerdings: Weine aus Spitzenjahrgängen sind gefragt und kosten ihr Geld. Der 1985er Barolo in der Magnum-Flasche (1,5 l) von Bartolo Mascarello hat 1989 im Weingut ca. 50.000 Lire gekostet, also etwa 65 DM. Heute (2014) bezahlt man dafür - falls man ihn überhaupt erhält - rund 950 Euro - fast das 30-fache! PB20140707

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