Sektflasche

 Glasflasche, die u. a. geeignet ist, dem erhöhten Innendruck von Sekt bzw. Schaumwein standzuhalten Die modernen, in der Regel 0,75 l fassenden Sekt- oder Schaumweinflaschen sind durch den Kohlensäuregehalt des Inhaltes relativ hohen Innendrücken ausgesetzt, meist zwischen 3,5 und 7, manchmal 8 bar. Inklusive einer Karenz als Sicherheitspuffer müssen die Flaschen jedoch einen weitaus höheren Innendruck aushalten, was durch entsprechende Normen geregelt ist (siehe unten). Dazu dienen stärkere Glaswände und der nach innen gewölbte Boden der Flasche; dieser ist der schwächste Bereich der Flasche, jedoch wird der Druck durch die Wölbung besser verteilt. Sektflaschen verfügen außerdem über eine ausgeprägte Bandmündung zur Befestigung der Drahthalterung des Korkens (Agraffe bzw. Muselet). Besonders was die Wölbung am Boden von Sekt- bzw. Champagnerflaschen anbelangt, gibt es eine Reihe von Missverständnissen, die auch in einschlägigen Publikationen meist nicht umfassend ausgeräumt werden. So ist z. B. die erhöhte Stabilität zwar praktisch, aber gar nicht der eigentliche Grund für die Wölbung - ebenso nicht die elegante Handhabung durch den Kellner - die Mulde wird nur qua Existenz als „Daumengriff“ genutzt. Die alten Glasbläser haben bei der Arbeit (noch ohne Formen) die noch weiche Flaschenunterseite mit einem Eisen (engl. pontil rod) „hochgestochen“, weil so der etwas dickere und deshalb noch heißere Boden dann nicht mehr so leicht zurücksacken konnte. Mit dem Eisen wurde die Flasche an diesem Punkt dann auch während der weiteren Verarbeitung gehalten und erst bei einer bestimmten Temperatur abgeschlagen (engl. kick-off), was eine typische Marke (engl. pontil scar) im Boden hinterließ. Auch ein wichtiger Nutzen (aber eben nicht der erste Grund) für die Mulde war (und ist) der stabile Stand der Flaschen auf einer glatten Fläche. Alle weiteren Erklärungen zielen auf „Zusatznutzen“, nachdem die Mulde nun einmal da war: Als Ansatzpunkt für Werkzeuge (z. B. Zangen) zur Weiterverarbeitung (Verzierung etc.); wie bereits erwähnt die höhere Stabilität gegen CO2-Druck bei Schaumwein; das traditionelle Stapeln von Roh-Champagnerflaschen (nach dem Rütteln), bei dem der Kopf der einen Flasche in die Mulde der nächsten gesteckt wurde (und wird); Rückhaltung des Depots edler Rotweine in der Rinne um die Auswölbung herum - heute wirkt eine Weinflasche mit einer ausgeprägten Mulde einfach auch etwas größer, ja geradezu edler, schwerer. Und dann gibt es noch die Wette, aus einer verschlossenen Champagnerflasche trinken zu können, wofür sich die Mulde prima eignet …Den Prüfungen von Sektflaschen auf Einhaltung bestimmter Vorgaben inkl. Maße und erlaubter Toleranzen liegen erstaunlich viele Normen zugrunde zum Beispiel für die Achsabweichung der Mündung (Abweichung von der Senkrechten) DIN EN 29008, Planitätsabweichung (Abweichung der Öffnung von der Waagrechten) DIN EN 29885, Axialdruckfestigkeit (beim Befüllen, Verschließen, Stapeln) DIN EN ISO 8113, Festigkeit durch Schlag oder Druck von außen (z. B. beim Transport) DIN 52295, Festigkeit gegen Innendruck (z. B. durch Kohlensäure) DIN EN ISO 7458 und die Beständigkeit gegen Hitze und Temperaturwechsel (z. B. beim Reinigen) DIN EN ISO 7459.Einigermaßen stabile und formgleiche Schaumweinflaschen gab es in England bereits seit dem 16. Jahrhundert, wo man durch die Verwendung von Kohle statt Holz mit höheren Temperaturen bei der Glasherstellung arbeiten konnte, was die Herstellung von (allerdings fast schwarzen) Flaschen mit dickeren Wänden erlaubte.Einige Flaschengrößen: 0,2 l = Piccolo oder Quart; 0,375 l = Demi oder Fillette; 0,75 l = Imperial (Normalflasche); 1,5 l = Magnum; 3,0 l = Doppelmagnum oder Jéroboam; 4,5 l = Réhoboam (laut einigen Quellen für Champagner nicht mehr verwendet?!); 6,0 l = Methusalem; 9,0 l = Salmanazar; 12,0 l = Balthazar; 15,0 l = Nebukadnezar. Vor allem zu Repräsentationszwecken gibt es noch weit größere Glasgebinde, die ebenfalls einen Namen haben z. B. Melchior (auch Goliath oder Solomon, da ist man sich uneins) mit 18 l oder die vorwiegend für England entwickelte Sovereign (auch Souverain): Sie enthält mit 26,25 l die Menge von 35 Imperial-Flaschen à 0,75 l - so jedenfalls die Auskunft des bekannten Champagner-Hauses Taittinger, das möglicherweise der einzige Hersteller ist, der Champagner in Flaschen dieser Größe anbietet.PB20140614

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