Rheingau

 Deutsches Weinanbaugebiet am rechten Ufer des Rheinknies Der Rheingau erstreckt sich innerhalb des Bundeslandes Hessen von Wicker nördlich des Mains zwischen Frankfurt und Wiesbaden im Osten gelegen bis Lorchhausen im Nordwesten über eine Länge von - je nach Betrachtungsweise - etwa 40 bis 50 Kilometer. Der Kern des Gebietes führt zwischen Wiesbaden und Rüdesheim als knapp zwei bis drei Kilometer breiter Streifen entlang des Rheins, nördlich begrenzt von den Höhenzügen des Taunus. Ganz im Osten, dem Rheingau weinrechtlich zugeordnet, befindet sich der Frankfurter Lohrberg, der in guten Jahren einen ansehnlichen, säurebetonten Riesling hervorbringt.  Auf der mit etwa 3.100 Hektar verhältnismäßig kleinen Weinbergsfläche erzeugen rund 500 Winzer zu ca. 85 % Riesling, 11 % Spätburgunder und 4 % Müller-Thurgau. Der Anbau sowohl von Riesling als auch von Spätburgunder ist in der Region urkundlich seit etwa Mitte des 15. Jahrhunderts belegt. Während der Riesling bevorzugt auf Schiefer, Quarz und Sandstein mit kalkhaltigen, teils sandigen Böden wächst, fühlt sich der Spätburgunder auf Phyllitschiefer am wohlsten, der vor allem um Assmannshausen herum verbreitet ist. Dem Rheingau ist ein Bereich zugeordnet, unterteilt in 11 Großlagen mit 129 Einzellagen zu denen so bekannte Namen wie der Erbacher Marcobrunn, die Weinberge von Kloster Eberbach oder Schloss Johannisberg zählen. Der Riesling aus der Region gehört zu den gefragtesten Weißweinen weltweit. Bekannte Wein-Ortschaften sind von Osten nach Westen: östlich von Wiesbaden beginnt es mit Wicker und Hochheim, westlich von Wiesbaden folgen Walluf und vom Rhein etwas zurückgesetzt Martinsthal und Rauenthal, dann Eltville, oberhalb davon Kiedrich, Erbach, Hattenheim, oberhalb davon Hallgarten, Oestrich-Winkel, Geisenheim, oberhalb davon Johannisberg, Rüdesheim, Assmannshausen und Lorch. Weithin bekannt ist die Legende von der Erfindung der Spätlese, die auf eine Begebenheit auf Schloss Johannisberg zurückgeht. Dort soll sich im Jahr 1775 der berittene Bote, der bei dem zuständigen Fürstbischof von Fulda die Lesegenehmigung einholen musste, bei seinem Rückweg aus unbekannten Gründen um gut zwei Wochen verspätet haben, was die Besiedlung der Beeren mit Edelfäule ermöglichte. Der von den Mönchen dennoch bereitete Wein soll zur Überraschung aller Beteiligten das Beste gewesen sein, was jemals in Johannisberg erzeugt wurde. Im Rheingau wird noch heute, auch wegen des hohen Rieslinganteils, selten vor Mitte Oktober, oft sogar bis in den November hinein gelesen. Eine Besonderheit ist auch die so genannte Rheingauer Flöte. Die langgezogenen Schlegelflaschen, wie sie im Rheingau, aber auch im Elsass üblich sind, werden wegen ihrer speziellen Form als Flöte bezeichnet. Die Rheingauer Flöte zeichnet sich dabei durch eine ganze Reihe weiterer Merkmale aus. Es ist eine schlanke, mit 35 cm sehr hohe Schlegelflasche in grüner, brauner oder sogar blauer Farbe mit einer markanten Längsrippung entlang der sanft hochgezogenen Flaschenschulter und einem auffälligen Glaswulst unterhalb der Öffnung. In diese Flasche wird nur Rheingauer Riesling oder Spätburgunder ab der Stufe QbA gefüllt. Die Flöte wurde nach langer Absenz seit 1990 wieder im Markt eingeführt und zwar mit tatkräftiger Unterstützung des Rheingauer Weinbauverbandes. Unter der Bezeichnung Erstes Gewächs findet sich im Rheingau eine weitere Speziallösung: Als Erstes Gewächs können sich Qualitätsweine aus klassifizierten Rheingauer Lagen bezeichnen, die zudem gewisse Grundkriterien erfüllen müssen, die allerdings über die ansonsten üblichen Bedingungen für Qualitätsweine deutlich hinausgehen. Hervorgegangen ist die Idee des Ersten Gewächses aus der Vereinigung der „Charta-Weine“, die bereits 1984 besondere Regeln für ihre Mitglieder veröffentlicht hatte. Erlaubt sind ausschließlich die Rebsorten Spätburgunder und Riesling. Die Weine müssen Erzeuger- oder Gutsabfüllungen sein, es dürfen höchstens 6 Trauben am Stock gereift sein (Ertrag max. 50 hl/ha), sie müssen (grob) im trockenen Geschmacksbereich liegen (Riesling max. 13 g/l Zucker, Spätburgunder 6 g/l Zucker) und erhalten nicht vor Mai des auf die Lese folgenden Jahres eine sensorische Prüfung. Eine Vermarktung ist für Riesling erst ab dem folgenden September möglich, für Spätburgunder noch ein ganzes Jahr später. Von den Weinen, die aus den klassifizierten Flächen stammen, erfüllt allerdings nur ein kleiner Teil (rund drei Prozent) die Bedingungen vollumfänglich, weshalb Erste Gewächse fast als Rarität zu bezeichnen sind.Im Rheingau befindet sich auch der Sitz der Hochschule Geisenheim University. Zur Geschichte: Die Königlich Preußische Lehranstalt für Obst- und Weinbau wurde 1872 von Eduard von Lade gegründet. 1971 kam die Außenstelle Geisenheim der Fachhochschule Wiesbaden hinzu, was eine Trennung von Forschung und Lehre nach sich zog; seit Januar 2013 sind sie unter dem Dach der Hochschule Geisenheim University mit Prof. Dr. Hans Reiner Schultz als deren Präsident wieder vereint. Die Geschichte von GM, wie das Kürzel der Geisenheimer Rebzüchter lautet, ist reich an Ereignissen und Erfolgen, wobei Professor Müller aus dem schweizerischen Kanton Thurgau stammend, was das Thema Wein betrifft, den Auftakt lieferte; denn von allen so genannten Neuzüchtungen ist der Müller-Thurgau sicher die erfolgreichste, wenn auch teilweise auf einem Irrtum begründet (mehr Informationen unter dem Stichwort Geisenheim).PB20140205  

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