Resveratrol

 In (Rot-)Weinen enthaltenes Polyphenol, dem eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben wirdDas bereits in den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts in einer Knöterichart entdeckte Resveratrol wurde 1976 auch in den Schalen dunkler Weinbeeren nachgewiesen, damals dachte jedoch noch niemand an eine angeblich gesundheitsfördernde Wirkung des sehr stabilen, eine alkoholische Gärung schadlos überstehenden Polyphenols. Die eigentliche Aufgabe der Verbindung ist auch eher der Schutz der Pflanze vor Pilzbefall, Bakterien und Viren, aber auch vor Sonnenlicht und anderen Umwelteinflüssen, weshalb z. B. Weinbeeren in ihren Häuten in heißen Sommern verstärkt Resveratrol bilden.Da die möglicherweise für den Menschen gesundheitsfördernde, antioxidative und antiinflammatorische (entzündungshemmende) Wirkung dieser Verbindung bislang aber nur in vitro, also vom menschlichen Organismus isoliert nachgewiesen wurde, stützt sich die Argumentation der Befürworter hauptsächlich auf teilweise aufwändig angelegte Studien, die allerdings in der großen Mehrzahl von interessierter Seite in Auftrag gegeben wurden (und werden) und entsprechende Ergebnisse zeigen. Kritische Medien unterstellen dazu seit langer Zeit, dass Studien mit negativen Ergebnissen eher zurückgehalten würden, was denkbar, aber auch nicht hinreichend belegt ist. Seine Berühmtheit erlangte der Stoff durch die These des französischen Forschers Prof. Renaud von der Universität Bordeaux, die unter der vielsagenden Bezeichnung French Paradox in den frühen 90er-Jahren durch die Presse geisterte. Grob zusammengefasst geht es dabei um die eher fragwürdige Erkenntnis, dass Franzosen trotz ihres Lebenswandels - in Bezug auf Tabakkonsum, fettreiche Nahrung, aber eben auch auf den Genuss von (Rot-)Wein - länger leben würden als z. B. Amerikaner. Damals wurde neben der Aufnahme von Ethylalkohol durch einen (moderaten) Weingenuss und dessen möglicherweise bis dahin nicht erkannte positive gesundheitliche Wirkung vor allem auch das hier angesprochene Resveratrol als vorbeugend z. B. gegen Krebs- oder Herz-Kreislauferkrankungen etc. ins Spiel gebracht. Ob es sich bei der ganzen Angelegenheit eher um einen groß angelegten Marketing-Coup handelt, wie vor allem von manchen Medizinern vermutet wird, oder ob an der Sache wirklich etwas dran ist, wie es die Weinbranche glaubt, lässt sich zurzeit nur schwer entscheiden. Festzustehen scheint inzwischen nur, dass das French Paradox selbst auf wackligen Füßen steht. So hätte man nach Aussagen von Kennern der Szene seinerzeit viele für eine korrekte Statistik notwendige Aspekte außen vor gelassen oder einseitig interpretiert. Die Postulate Renauds basierten demnach auf zum Teil ungeeigneten Daten bezüglich des Gesundheitszustandes der französischen Bevölkerung, zudem gelingt die Verifizierung der Hauptaussagen Renauds für andere Länder, in denen teilweise noch mehr Wein getrunken wird, gerade nicht. Abschließend sollte aber vielleicht erwähnt werden, dass eine positive Wirkung von Resveratrol - wie sie auch in Pharmakreisen unabhängig vom Weingenuss immer wieder vermutet wird - nicht grundsätzlich ausgeschlossen ist, sondern sogar von Kritikern als möglich erachtet wird. Allerdings: Neben der völlig ungeklärten Bioverfügbarkeit von Resveratrol, also der Fähigkeit des Stoffes im menschlichen Körper u. a. wegen seiner schlechten Wasserlöslichkeit überhaupt wirksam werden zu können (und nicht nur in vitro), ist die Frage, ob die Aufnahme ausgerechnet über ein alkoholisches Getränk erfolgen muss, durchaus von Bedeutung. Wenn man aber gesund ist und ohnehin gern Wein trinkt - und das moderat - kann man den umstrittenen Nebeneffekt ja auf jeden Fall mitnehmen, oder?PB20140129

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