Rebzüchtung

 Selektion von Rebstöcken bzw. von Sämlingen, die aus der Kombination von Erbanlagen zur Ausprägung angestrebter Eigenschaften durch Kreuzung entstanden sind Ungeachtet der zwar angenommenen, aber nicht erwiesenen Züchtertätigkeit antiker oder noch älterer Völker, wird der Beginn der modernen Rebzüchtung etwa auf den Beginn des 19. Jahrhunderts datiert, ausgehend von den Bemühungen zur Entwicklung von Tafeltrauben mit besseren Eigenschaften zunächst in England, etwas später auch in Frankreich. Das Kreuzen zweier Sorten mithilfe der manuellen Übertragen von Pollen mit anschließender Selektion aus den Sämlingen waren (und sind) neben der Klonen- und Erhaltungszüchtung die geeigneten Methoden. Wenig später wurde zunächst in Frankreich versucht u. a. mit Hybridkreuzungen Pilz- und Reblausresistenzen zu erzielen bzw. geeignete Unterlagsreben für die europäischen Keltersorten zu züchten, bekannte Namen mit entsprechenden Erfolgen sind Couderc, Seibel oder Seyve-Villard. In Deutschland hat man sich angesichts des Erfolges von Müller-Thurgau eher auf Kreuzungen innerhalb Vitis vinifera konzentriert, woraus neben vielen anderen z. B. Bacchus, Kerner, Scheurebe oder Dornfelder hervorgegangen sind. In jüngerer Zeit hat man sich wieder mehr mit Resistenzen gegen Mehltauarten beschäftigt (Piwis = pilzwiderstandsfähige Sorten), allerdings gilt die Sorte Regent bislang als einzige unter vielen Züchtungen, die sich tatsächlich durchgesetzt hat. Neben der Züchtung durch Kreuzung und Auswahl der daraus entstandenen Sämlinge mit dem Ziel, eine neue Sorte mit besonderen Eigenschaften hervorzubringen, gelten die Erhaltungszüchtung  zur Sicherung des Bestandes bewährter Rebsorten und die Klonenselektion zur vegetativen Vermehrung besonders gut entwickelter Einzelstöcke als wesentliche Zuchtmaßnahmen. Ein Beispiel einer äußerst gelungenen, bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durchgeführten Klonselektion ist die Vermehrung eines besonders geeigneten Sangiovesestockes in der Toskana, aus dem schließlich der berühmte Brunello di Montalcino wurde. Zwischen der ersten Züchtungsmaßnahme bis zur Zulassung als neue Sorte vergehen oft 25 Jahre und mehr. Eine ganze Reihe von Schritten muss dabei abgearbeitet werden, bis die neue Sorte beim dafür zuständigen Bundessortenamt eingetragen werden kann. Hier eine Aufstellung anhand eines Beispiels aus der Klonenzüchtung (Quelle: LVWO Weinsberg):  Im 1. bis 5. Jahr erfolgt die Selektion von Einzelstöcken auf verschiedenen Standorten mit anschließendem Test auf Krankheiten und zunächst eine Einzelstockvermehrung. Im 6. bis 11. Jahr stehen die so genannten A-Klone mit mindestens 3 Ertragsjahren zur Verfügung. Aktionen: Beobachtung von Merkmalsausprägungen mit Prüfung von Leistungseigenschaften und der Weinqualität, Weitervermehrung besonders vitaler Stöcke der besten Kleinklone. Im 12. bis 17. Jahr werden die B-Klone wieder nach Leistungseigenschaften geprüft, allerdings mit Wiederholungen auf verschiedenen Standorten, alles andere erneut wie bei den A-Klonen. Im 18. bis 23. Jahr (C-Klone) erfolgt eine Beobachtung von Merkmalsausprägungen, erneute Prüfung der Leistungseigenschaften auf verschiedenen Standorten und Prüfung der Weinqualität. Ab dem 24. Jahr steht die Prüfung und Registrierung beim Bundessortenamt, Tests auf Viruskrankheiten und Erstellung von virusfreien Vermehrungsanlagen auf dem Programm. Bei einer Kreuzungszüchtung kommen noch einmal einige Jahre mehr hinzu, die aus dem eigentlichen Kreuzungsvorgang und der Auswahl der Sämlinge resultiert. Ein Beispiel dafür, wie aufwändig und vor allem zeitraubend die einzelnen Vorkreuzungen im Zuge z. B. von Piwi-Züchtungen sein können, ist unter dem Stichwort Regent nachzulesen. Wenn eine Sorte entsteht, deren Eigenschaften sich deutlich von denen anderer Sorten unterscheiden, kann der Züchter ab einem bestimmten Zeitpunkt Sortenschutz beantragen. Dieser Sortenschutz ist vergleichbar mit einem Patent, das auf die Leistung des Züchters vergeben wird. Meist besteht der Sortenschutz über einen Zeitraum von 30 Jahren, in dem die Sorte nur von dem Patentinhaber vermehrt und vermarktet werden darf. Der Sortenschutz wird in der Regel noch vor dem Eintrag in die Sortenliste erteilt. PB20140216

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