Rebsorten

 Unterteilung von Rebpflanzen innerhalb Vitis vinifera Vitis vinifera (weinmachende Rebe) ist eine Unterart der Rebe (Vitis) und wird, eben wegen der Möglichkeit, schmackhafte Weine aus ihren verschiedenen Sorten zu bereiten, auch edle Weinrebe genannt. Dieses hat der Mensch wahrscheinlich im mittleren asiatischen Raum (woher Vitis vinifera stammt) bereits vor rund 7.000 Jahren herausgefunden. Reben und Know-how für den Anbau und die Weinbereitung haben sich mit der Zeit über Griechenland, Italien und den weiteren Mittelmeerraum bis zu uns verbreitet, wo die Römer um Christi Geburt mit ersten Rebanlagen begannen. Schon damals gab es unterschiedliche Rebsorten, die durch spontane Kreuzungen oder Mutationen entstanden, viel später erst durch gezielte Züchtung. Während die Burgundersorten von dem bereits bei den Römern beschriebenen Spätburgunder abstammen, wurden viele der heute bekannten Sorten - zumindest bei uns - zwei Linien zugeordnet, die man im ausgehenden Mittelalter als die heunischen oder huntschen Sorten bezeichnete, die als minderwertig betrachtet wurden, und den so genannten fränkischen Sorten, die als die bessere Linie galt. Allerdings sind bereits damals auf natürlichem Weg so edle Gewächse wie der Rheinriesling aus einem Heunisch-Mitglied und einem Traminer-Klon entstanden, weshalb diese Zuordnung heute nur in Grenzen von Bedeutung und auch eher unübersichtlich ist. Zu den Fränkischen zählte damals - was nicht verwundert - der Silvaner, der, wenn er auch gar nicht aus Franken stammt, so doch optimale Bedingungen am Main vorfand und nicht nur dort bis heute sehr geschätzt wird.  Was die Namensgebung anbelangt waren die Römer mit den berühmten Chronisten Vergil, Plinius u. a. bereits früh in Vorlage getreten, bei uns kamen die ersten Namen erst etwa im 13. Jahrhundert auf (siehe oben), die allerdings aus damaliger Sicht mehr als qualitative Unterscheidung und weniger bis gar nicht als botanische Einteilung gedacht war. Einzelne Namen, die konkreten Sorten zugeordnet waren, tauchten im 16. Jahrhundert auf und erst im 19. Jahrhundert wurden (im Zug der Pilz- und Reblauskatastrophe) systematische, nach ampelographischen (Ampelographie = Lehre von den Rebsorten) Merkmalen getroffene Unterscheidungen vorgenommen und mit Namen belegt, die erst wieder der Franzose Pierre Galet um 1950 weiter systematisierte und vor allem stark erweiterte. Neben den natürlichen Veränderungen durch spontane Kreuzungen und Mutationen hat der Mensch seit dem 19. Jahrhundert stark die Entstehung neuer Sorten durch gezielte Züchtungen befördert. Ziele waren zunächst (wie heute teilweise wieder) geschmackliche Verbesserungen, aber auch bessere Eigenschaften der Pflanzen im Anbau, im Ertrag, aber auch gegenüber Krankheiten, was später in die Resistenzzüchtung mündete. Sehr bekannte, erfolgreiche Rebsorten, die auch als Neuzüchtungen bezeichnet werden, sind z. B. Müller-Thurgau (1882), Kerner (1929), Bacchus (1933), Dornfelder (1955), Regent (1967) etc. Von den heute über 10.000 bekannten Rebsorten ist etwa ein Viertel zur Weinproduktion zugelassen, allerdings national und regional sowie nach Qualität nicht überall einheitlich. Ein gewaltiger Sprung gelang mit der Einführung der DNA-Untersuchungen in den späten 90er-Jahren. Wurde früher die Zuordnung von Sorten bzw. deren Herkunft allein an den ampelographischen Merkmalen vorgenommen, kann die DNA-Untersuchung in vielen Fällen zweifelsfrei klären, welche Sorte welche Eltern hat. Ein bekanntes Beispiel ist der Müller-Thurgau, von dem wir dadurch heute wissen, dass nicht Silvaner der Vater ist, sondern die Tafelsorte Madeleine Royale (siehe dazu auch unter den Stichwörtern diverser Cabernet-Kreuzungen). Vergleichbar mit unseren Rebsorten sind die bei vielen Menschen bekannteren, teils gezüchteten Apfelsorten wie Elstar, Bosko(o)p, der großartige Gravensteiner (Zufallssämling, keine Zucht!), Granny Smith oder Braeburn, von denen man in der Regel weiß, ob sie rot, gelb, grün, säuerlich, süßlich, fest oder eher mehlig sind. Auch jede Rebsorte zeigt typische Charakteristiken, die im fertigen Wein (je nach Ausbau) oft dramatische Unterschiede ausmachen. Das beginnt bei der Farbe und geht über die Säurestruktur bis zu den typischen Aromen und vielen anderen Merkmalen mehr. Auch im Weinberg lassen sich die Rebsorten anhand typischer (ampelographischer) Merkmale bestimmen, wie Wuchs, Lappigkeit und Zahnung der Blätter, Ausformung der Stielbuchten, Farbe und Behaarung der Blätter, Farbe der Blattadern, Wolligkeit und Färbung der Triebspitze, Internodienlänge, Traubengröße und Traubenform, locker- oder dichtbeerig etc. etc. Für den Weinfreund ist die (übrigens nicht obligatorische) Angabe einer Rebsorte auf dem Etikett sehr oft eine gute Entscheidungshilfe, vorausgesetzt, er kann diese von anderen Angaben wie Prädikaten oder Lagennamen unterscheiden. Rebsorten werden aber auch gern miteinander verschnitten. Manchmal wächst noch im Weinberg ein gemischter Satz (also aus verschiedenen Sorten), die gemeinsam gelesen und gekeltert werden; oft werden aber auch nach Rebsorten einzeln ausgebaute Weine erst später verschnitten, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Auf dem Etikett dürfen bei einem Verschnitt maximal drei Rebsorten genannt werden und zwar in der Reihenfolge ihres Anteils im Wein; ist nur eine Rebsorte genannt, darf immerhin ein Anteil von 15 % von einer anderen (zugelassenen) Sorte stammen.  Bekannte Weine aus mehreren Rebsorten (Cuvées) sind z. B. die berühmten Gewächse des Bordelais (je nach Château z. B. Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot u. a.) Chianti, der früher aus zwei roten und zwei weißen Sorten bereitet wurde, heute nur noch aus roten, hauptsächlich Sangiovese mit einem Anteil Cabernet und in geringer Menge noch andere Sorten, aber auch Rioja, der neben den roten Tempranillo (oft mehr als 60 %) und Garnacha (ca. 18 %) und weiteren kleinen roten Anteilen auch die weiße Viura enthalten kann (ca. 15 %). Je nach Interesse, kann man sich enorm ausführlich mit den vielen Rebsorten beschäftigen, einige Namen sollte man aber auf jeden Fall zuordnen können, sowohl einheimische wie im Ausland heimische als auch international angebaute Rebsorten. Ein anerkannt gutes Buch zum Thema hat die britische Weinjournalistin Jancis Robinson geschrieben (Wine Grapes), das es auch auf Deutsch gibt. Interessant ist natürlich auch der enorm große Rebsortenspiegel der Remstalkellerei, geordnet nach Flächengröße (rot oder weiß): Trollinger (r, 234 ha), Riesling (w, 120 ha), Kerner (w, 37 ha), Schwarzriesling (r, 34 ha), Lemberger (r, 30 ha), Müller-Thurgau (w, 30 ha), Spätburgunder (r, 29 ha), Dornfelder (r, 23 ha), Portugieser (r, 18 ha), Silvaner (w, 16 ha), Zweigelt (r, 13 ha), Samtrot (r, 6 ha), Grauer Burgunder (w, 5 ha), Acolon (r, 4 ha), Weißburgunder (w, 3 ha), Chardonnay (w, 2 ha), Gewürztraminer (w, 2 ha), Muskattrollinger (r, 1 ha), Frühburgunder (r, 1 ha), Sauvignon Blanc (w, < 1 ha), Cabernet Dorio (r, < 1 ha), außerdem Gelber Muskateller (w), Regent (r), Cabernet Sauvignon (r) und Merlot (r).PB20140117  

Zurück