Reblaus

Gefährliches Schadinsekt, das je nach Zyklus die Rebwurzeln bzw. die Rebblätter befälltDie Reblaus wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus Amerika eingeschleppt und zwar mit einer Reblieferung nach Südfrankreich, wo die Schäden um 1863 auch das erste Mal entdeckt wurden (kurz darauf auch in Bordeaux); die Laus selbst wurde 1868 von einem französischen Biologen gefunden und 1871 als eine bereits bekannte amerikanische Art identifiziert (siehe dazu auch letzten Absatz). An der Mosel tauchte die Reblaus zwischen 1904 und 1907 erstmals in einer Rebanlage auf. Die Reblaus breitete sich über ganz Europa aus und vernichtete fast alle Bestände der gegen den fremden Schädling hilflosen Bestände von Vitis vinifera. Nur in einigen wenigen, völlig abgelegenen Lagen z. B. in Italien sind Reben verschont geblieben.Der Lebenszyklus der Reblaus ist unterteilt in ober- und unterirdische Abschnitte mit mehreren Generationen. Man unterscheidet darüber hinaus zwischen weiblichen und männlichen bzw.  geflügelten und ungeflügelten Generationen (siehe unten). Im späten Frühjahr schlüpfen die nicht flugfähigen, weiblichen Jungläuse aus den Wintereiern und wandern in der Regel zu den oberen Blättern Richtung Triebspitze, wo sich durch die Nahrungsaufnahme charakteristische Blattgallen ausbilden. Bis etwa Juni legt jede der Läuse einige hundert ungeschlechtlich erzeugte Eier, aus denen nach knapp zwei Wochen die Larven der zweiten Generation (weiblich, ungeflügelt) ausschlüpfen. Diese bringen - immer noch auf den Blättern lebend - im Spätsommer die nächste Generation wieder ungeschlechtlich hervor; in warmen Regionen kann es dazwischen noch weitere Generationen geben. Im Vergleich zu den Vorgängergenerationen sind diese allerdings größer und robuster und verfügen vor allem über größere Saugwerkzeuge, sie sind ebenfalls weiblich und ungeflügelt. Diese Läuse wandern unter die Erde zu den Wurzeln, wo sie fünf bis sechs Wochen später (im Herbst) erneut ungeschlechtlich erzeugte Eier ablegen. Die Jungläuse saugen vor allem an den älteren Wurzelteilen, wo sie in der Regel während einer Ruhephase überwintern können (auch hier sind mehrere Generationen möglich). Im Frühjahr wird der rein unterirdische Zyklus (aus ungeschlechtlich erzeugten Eiern, weiblich und ungeflügelt) fortgesetzt. Jedoch schlüpft im Herbst auch noch eine kleinere, leicht gefärbte Laus (Nymphe), die als geflügelte Reblausfliege an die Erdoberfläche gelangt und in die Rinde des Rebstockes zwei unterschiedliche Arten von ungeschlechtlich erzeugten Eiern setzt. Daraus entstehen weibliche und diesmal auch männliche Tiere, die zwar in Ermangelung von Nahrung nach etwa einer Woche wieder sterben, sich aber vorher paaren können. Die geschlechtlich erzeugten Eier, die die weiblichen Läuse daraufhin legen, sind die Wintereier, mit denen der Zyklus im Jahr zuvor begann. Das Schadbild an den Blättern (nur von amerikanischen Reben) sind die bereits erwähnten leicht rötlichen Gallen an den Blattunterseiten (von oben auch sichtbar), die nur bei sehr starkem Befall zu größeren Beeinträchtigungen führen. An den Wurzeln bilden sich je nach Alter des Holzes unterschiedlich große Knollen und Verwachsungen aus (bei jungen Wurzeln Nodositäten, bei älteren Tuberositäten genannt), die bei starkem Befall zum Absterben von Teilen des Rebstockes durch Nährstoff- und Wassermangel führen können, noch befördert von Sekundärinfektionen durch Pilze an den befallenen Stellen.Als probates Mittel gegen die Reblaus hat man - nach erfolglosen Maßnahmen wie dem Spritzen des Wurzelbereichs mit einer Schwefelkohlenstofflösung bzw. dem kompletten Roden und Verbrennen der Bestände - schließlich das Pfropfen von europäischen Edelreisern auf eigens gezüchtete Unterlagsreben amerikanischer Herkunft entwickelt, das noch heute im Ertragsweinbau Vorschrift ist. Diese auch als Veredelung bezeichnete Methode wurde bereits ab den 1880er Jahren u. a. in Geisenheim getestet, nachdem in Frankreich bereits seit Jahren bekannt war, dass amerikanische Reben gegen die Wurzelreblaus resistent sind. Nur hatte man dort zunächst versucht, amerikanische Sorten direkt in den Ertrag zu nehmen, was aber wegen des katastrophalen Geschmacks (Fox-Ton) der Weine scheiterte. Erst ab 1925 kann man in Deutschland von einer flächendeckenden Bestockung mit Pfropfreben sprechen.Heute ist die Reblaus wieder ein Thema geworden, weil eine große Zahl von wurzelechten Zier- und Hausstöcken der Reblaus wieder auf die Beine helfen. Auch so genannte "Unterlagsausschläge" - oberirdische Triebe der amerikanischen Unterlagen - tragen dazu bei, weil in manchen Weinbergen zu wenig auf deren Entfernung geachtet wird. Die heute noch oft verwendete (aber falsche) lateinische Bezeichnung Phylloxera vastatrix ist übrigens aus einem Irrtum heraus entstanden, als nämlich im 19. Jahrhundert die Reblaus von dem namengebenden Biologen mit einem Schadinsekt, das die Korkeiche befällt und ebenfalls zu der Familie der Zwergläuse gehört (Phylloxeridae), verwechselt wurde. Der korrekte lateinische Gattungsame für die Reblaus ist "Dactylosphaera vitifolii Shimer".PB20140116

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