Punt

 Mysteriöse Wölbung des Bodens von Wein- und Schaumweinflaschen nach innen Die von den Engländern Punt genannte Wölbung ist deshalb so mysteriös, weil sich die Kenntnis der tatsächlichen oder ursprünglichen Bedeutung dieses Details zum größten Teil aus Legenden speist. Die Auskünfte variieren je nach Berufszweig, der mit dem Punt in irgendeiner Weise zu tun hat. So sagt zum Beispiel die Champagnerfraktion, dass die Auswölbung zum besseren senkrechten Ineinanderstellen der Flaschen während bzw. am Ende des Rüttelvorgangs angebracht wurde, erst später hätte man - quasi nebenbei - bemerkt, dass der Boden dadurch auch stabiler wird und mehr Druck aushält. Manche Sommeliers sind der Ansicht, die Auswölbung sei als Daumengriff beim Einschenken gedacht, was aber eher (oder sicher) ein nachgelagerter Vorteil des Punt ist und nicht der Grund seiner Existenz. Die Vertreter der gehobenen Rotweinszene wiederum behaupten, der Ring, der sich um den Punt herum am inneren Flaschenboden bildet, wäre der eigentliche Grund für das Detail, er würde ein Aufwirbeln des eventuell vorhandenen Depots erschweren - ja, aber ob deshalb der Punt angebracht wurde, ist mehr als fraglich. Dann gibt es sogar noch die Argumentation von Marketingfachleuten, die der Mulde eine schon früh gewünschte, edlere Anmutung und Wertigkeit zuschreiben, auch weil die Flasche bei ansonsten gleichem Volumen automatisch größer (und schwerer) wird - heute sicher, aber als Ausgangspunkt für den Punt wohl undenkbar. Von einem Vertreter der inzwischen eher selten gewordenen Handwerkskunst der Flaschenherstellung per Mund bekommt man hingegen folgende Antwort: Die alten Glasbläser haben bei der Arbeit (damals noch ohne Formen) die noch weiche Flaschenunterseite mit einem Eisen „hochgestochen“, weil so der etwas dickere und deshalb noch heißere Boden dann nicht mehr so leicht zurücksacken konnte. Mit dem Eisen wurde die Flasche an diesem Punkt dann auch während der weiteren Verarbeitung gehalten und erst bei einer bestimmten Temperatur abgeschlagen (engl. kick-off), was eine typische Marke (engl. pontil scar) im Boden hinterließ. Ein wichtiger (Neben-?)Nutzen der Mulde war von Anfang an der stabile Stand der Flaschen auf einem ebenen Untergrund durch eine geringe Auflagefläche. Alle oben genannten Erklärungen zielen auf nach und nach entdeckte Zusatznutzen, die sich einstellten, nachdem die Mulde nun einmal da war – auch die Verwendung als Ansatzpunkt für Werkzeuge (z. B. Zangen) zur Weiterverarbeitung oder Verzierung. PB20140105  

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