Piwi

 Abkürzung für pilzwiderstandsfähige Rebsorte, tatsächlich aber nur teilresistentDie klassischen bei uns zugelassenen Keltersorten wie Riesling, Spätburgunder, Silvaner und viele mehr gehören der in Europa und Vorderasien heimischen Art Vitis vinifera an. Diese Rebsorten haben über einen langen Zeitraum hinweg natürliche Resistenzen gegenüber einheimischen Schädlingen entwickelt. Werden diese Reben jedoch mit fremden, von weit her stammenden Schädlingen konfrontiert, hat die Pflanze dagegen keine Abwehrkräfte und stirbt im Extremfall ab – so geschah es, als um 1850 die Schadpilze Oidium (Echter Mehltau) und rund 30 Jahr später auch noch Peronospora (Falscher Mehltau) aus Amerika eingeschleppt wurden. Zwar kann das Pilz-Übel mit Fungiziden bekämpft werden, also mit Pflanzenschutzmitteln, die zu Zeiten erhöhten Pilzdrucks auf die Reben ausgebracht werden; der Anbau pilzwiderstandsfähiger Rebsorten erlaubt jedoch eine Reduzierung der Behandlungen mit solchen Mitteln, was in jeder Hinsicht der Umwelt zugutekommt und in diesem Zusammenhang für den ökologischen Weinbau von besonderem Interesse ist. Das Prinzip bei der Züchtung ist (vereinfacht): Kreuzung aus einer Sorte, die von Natur aus resistent ist (z. B. weil sie aus der Heimat des Schädlings stammt) mit einer einheimischen Sorte, deren qualitative bzw. geschmackliche Eigenschaften außer Frage stehen. Mit viel Wissen und Geduld können dabei gute Ergebnisse zustande kommen.Wichtig für die behördliche Zulassung von Piwis (auch als interspezische Rebsorten bekannt) ist die eindeutige Zuordnung zu Vitis vinifera. Man versucht deshalb, das Erbgut der eingekreuzten Amerikanerreben durch zahlreiche Rückkreuzungen mit Europäerreben bis auf die Pilzresistenz bzw. Pilztoleranz weitgehend zu eliminieren (z. B. den Verursacher des unangenehmen Fox-Tons (siehe dort) und damit die Weinqualität weitgehend europäischen Standards anzupassen. Am Stammbaum von Regent lässt sich dieses Verfahren nachvollziehen: Die unmittelbaren Eltern von Regent sind Diana x Chambourcin, wobei Diana komplett aus Vitis vinifera stammt (Silvaner x Müller-Thurgau). Der Vater Chambourcin ist jedoch das Ergebnis zahlreicher interspezifischer Vorkreuzungen, mütterlicherseits aus Vitis vinifera, V. rupestris, V. lincecumii, V. aestivalis, V. cinerea und V. berlandieri. Väterlicherseits wurden V. vinifera mit V. riparia und V. labrusca gekreuzt. Ein Beispiel aus der Vaterlinie von Chambourcin: V. Riparia x V. labrusca ergab Clinton. Clinton x Trollinger (V. vinifera) ergab Othello. Othello x V. rupestris ergab zusammen mit Noah (aus V. riparia x V. labrusca) Gaillard 2. Das war die Mutter von Seibel 5163, deren Vater Cinsault Seibel vorwiegend aus V. vinifera bestand (z. B. Alicante Henri Bouschet). die schon erwähnte Sorte Seibel 5163 war wiederum die Mutter von Chancellor (Vater: Seibel 880), der seinerseits der Vater von Chambourcin (Vater von Regent) ist. Viele Piwis wie Sirius, Johanniter, Bronner, Phönix etc. haben sich allerdings bis zum heutigen Tag nicht wirklich durchsetzen können. Denn Pilzwiderstandsfähigkeit heißt nicht, dass solche Sorten leicht zu kultivieren sind; wer sie anbauen will, kann seine Rebfläche nicht einfach erweitern, es muss dann auf Kosten einer bestehenden Sorte gehen. Wer es trotzdem wagt, muss mit einigem Marketingaufwand beim Verbraucher für den Piwi werben. Da ist dann auch noch das (Vor-)Urteil, dass Piwis geschmacklich an das Gewohnte nicht heranreichen würden. Die einzige Piwi, die in Deutschland bisher Fuß gefasst hat, ist tatsächlich Regent (siehe dort), jedoch sind inzwischen einige Sorten im Kommen, die ebenfalls ein gewisses Geschmackspotenzial für eine erfolgreiche Markteinführung mitbringen könnten.PB20140101

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