Petrolton

 Fehl- bzw. Alterungston bei RieslingDer bei größerer Intensität sehr unangenehme Petrolton ist auf eine Naphtalin-Verbindung zurückzuführen, in leichter Form stellt er die bei Riesling bisweilen gelobte Altersfirne dar. Bei aus wärmeren Gegenden stammenden Rieslingen kann der Eindruck bereits in jungen Jahren auftreten, die klassischen deutschen Rieslinge prägen diesen Ton meist als Altersnote aus. Die auslösende Verbindung 1,1,6-Trimethyl-1,2-Dihydronaphtalin (TDN) entsteht, wenn sich bei den Rieslingbeeren bei stärkerer Sonneneinstrahlung Carotinoide (goldgelbe Färbung bei älteren Rieslingen) bilden, die dann mehr oder weniger schnell u. a. zu TDN, aber auch zu einigen durchaus angenehm wirkenden Stoffen wie Rieslingacetal abgebaut werden. Wie eine Untersuchung von Moselrieslingen der Jahrgänge 1952 bis 2003 an der DLR-Mosel nachweist, nimmt in wärmeren Jahren auch der TDN-Gehalt zu, was sich besonders bei den 1976ern gezeigt hat. Ab den 90ern ist der Gehalt an potenziellem TDN (noch nicht umgesetzt) generell höher, weil die Sommer insgesamt wärmer geworden sind. In wärmeren Anbaugebieten, in denen Riesling eine Rolle spielt wie z. B. in Australien, wird ein gewisser Petrolton inzwischen als Qualitätsmerkmal vermarktet - was man durchaus auch als aus der Not eine Tugend machen bezeichnen kann.Da der Petrolton zumindest bei uns nicht gerade erwünscht ist, wurde auch schon über Maßnahmen nachgedacht, die Beeren vor zu viel Sonneneinstrahlung zu schützen. In Versuchen konnte durch Beschattung, die durch das Nichtfreischneiden der Traubenzone erzielt wurde, ein deutlich geringerer Gehalt an TDN gemessen werden als bei freigeschnittenen Vergleichstrauben - ungeachtet jedoch aller Nachteile, die sich aus einem Verzicht auf diese Maßnahme ergeben. Eine andere Untersuchung hat ergeben, dass TDN-Gehalte in einem bestimmten Zusammenhang mit der Stickstoffversorgung stehen könnten.PB20131117

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