Neue-Welt-Weine

 Stilbildender Begriff für Weine aus ÜberseeEin solchermaßen bezeichneter Wein stammt in der Regel aus Neuseeland, Australien, Südafrika, Chile, Argentinien oder Kalifornien, jedenfalls nicht aus der EU. Wenn es von einem Wein heißt, er sei aus der Neuen Welt, dann hat er neben seiner Herkunft auch ein Stil-Attribut erhalten, dass von europäischen Weinfreunden manchmal mit gemischten Gefühlen betrachtet wird. Das hat u. a. mit den klimatischen Verhältnissen, aber auch mit in diesen Ländern zugelassenen (Hightech-)Methoden in der Weinbereitung und mit der daraus resultierenden geschmacklichen Anmutung zu tun. Ob einem europäischen Weinfreund der Stil am Ende zusagt oder nicht, ist ungewiss - charakteristisch sind jedenfalls oft starke Barrique- oder Chip-Noten, manchmal ungewohnt intensive Fruchtaromen, meist hohe Alkoholgehalte und bei Weißweinen auch eine weniger ausgeprägte Säurestruktur. Verwendung finden in der Regel die typischen so genannten internationalen Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Shiraz, Merlot, Pinot Noir, Chardonnay, Sauvignon Blanc, inzwischen auch Riesling etc., die sich in ihrer Ausprägung den regionalen (Übersee-)Verhältnissen sehr gut anpassen können. Aus hiesiger Sicht sieht das manchmal so aus: Ein Riesling aus Australien schmeckt in der Regel vollkommen anders, als es z. B. ein solcher aus dem Rheingau, der Pfalz, aus Franken oder von der Mosel tut. Der Australier zeigt - je nach konkreter Herkunft - meist andere Fruchtaromen, die mehr ins Exotische gehen, hat oft weniger Säure und wirkt dadurch weniger lebendig, dafür manchmal etwas körperreicher und dicht. Auch ein Sauvignon Blanc von Down Under ist nicht direkt mit einem solchen z. B. von der Loire zu vergleichen: Während der Franzose sein fast grasiges Stachelbeeraroma in Verbindung mit einer ausgeprägten Säure als eher zart bis elegant gezeichneter Weißwein ausprägt, ist der australische Kollege gern von Holznoten begleitet hinter denen manchmal ein Gutteil der Frucht verschwindet, auch wirkt er weniger schlank, verfügt dafür über mehr Alkohol und entsprechend mehr Fülle. Besonders auch bei den roten Weinen aus Übersee fällt oft deren enorme Fülle auf, was manchmal auf Kosten der Eleganz, aber auch der Struktur gehen kann. Gleichwohl gelingt es immer wieder vor allem Rotweinen, meist aus Kalifornien, bei hochrangig besetzten Verkostungen die etablierte Konkurrenz aus Frankreich und Italien hinter sich zu lassen. Entsprechende Berichte von Blindverkostungen, bei denen (eingeschmuggelte) Cabernets aus den USA die Preise abgeräumt hätten, sind Legende. Wegen des oft sehr gleichmäßig ausgeprägten Klimas unterliegt der Weinbau in solchen Ländern weniger bis gar keinen Jahrgangsschwankungen und wenn das Wetter doch nicht so recht will, verfügen die Weingüter oft über technisches Gerät, das nach Belieben die Rebanlagen entfrostet, belüftet, befeuchtet oder mit Spiegeln besonnt, was im Übrigen auch die teilweise recht hohen Preise erklärt. Ebensolches gilt für kellertechnisches Gerät, das modernste oenologische Methoden ermöglicht und mit dem dort legalen Zusatz von Aromen jedes Jahr aufs Neue den Geschmack der Käufer treffen lässt. Abschließend soll gesagt sein, dass dies nicht auf jeden Neue-Welt-Wein zutrifft und natürlich auch nur eine (eher subjektive) Betrachtung der in Deutschland leichter verfügbaren Weine aus Übersee darstellt und deshalb auch nicht so einfach zu verallgemeinern ist - man muss es ohnehin selbst ausprobieren ...PB20131024 

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