Nasszuckerung

 Mostanreicherung durch in Wasser gelöste Saccharose Bis in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts durften in Deutschland Moste mit einer Zuckerlösung angereichert werden, um den Alkoholgehalt des künftigen Weines zu erhöhen. Die in der Mitte des 19. Jahrhundert entwickelte Methode (nach ihrem Erfinder Ludwig Gall auch Gallisierung genannt) hatte allerdings die bisweilen gar nicht so sehr als Nachteil empfundene Folge, die Mostmenge durch den Wasseranteil der Zuckerlösung ordentlich zu erhöhen und dabei durch den Verdünnungseffekt gleich auch noch die Säure zu reduzieren. Die z. B. in Österreich seit jeher und in der Schweiz seit 1912 verbotene Gallisierung wurde deshalb mit der Revision des deutschen Weinrechts 1971 verboten, mit einer Übergangsfrist bis 1975, einigen Quellen zufolge in Rheinland-Pfalz sogar bis 1979. Der Nasszuckerung steht die in engen Grenzen erlaubte Trockenzuckerung gegenüber, besser bekannt unter dem Namen Chaptalisierung.Interessant ist, dass Ludwig Gall seinerzeit die Methode der Nasszuckerung eigens erfand, um den Moselwinzern zu helfen, denen es zunehmend schlechter ging. Dabei spielte einerseits die Zollgesetzgebung Preußens eine gewisse Rolle - die Moselwinzer hatten kein Monopol mehr als Weinlieferant; vor allem aber hatten sich damals viele Winzer angesichts einiger schlechter Jahrgänge in Folge fatalerweise entschlossen, die Erträge drastisch zu erhöhen, was zwangsläufig auf Kosten der Qualität ging - die Nasszuckerung kam da quasi wie gerufen. PB20131018 

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