Müller-Thurgau

 Weiße Deutsche Rebsorte Die Geschichte von Müller-Thurgau beginnt 1882 in Geisenheim im Rheingau, wo der Rebzüchter und Forscher Hermann Müller den Grundstein für die erste wirtschaftlich erfolgreiche Rebzüchtung legte - was allerdings gleich mit einem großen Irrtum begann; denn er glaubte, Riesling mit Silvaner gekreuzt zu haben, was erst im Jahr 1998 im Zuge von DNA-Untersuchungen widerlegt wurde. Zunächst aber wechselte Müller 1891 nach Wädenswil in der Schweiz, von wo die Neuzüchtung nach einigen Jahren im Versuchsanbau etwa 1913 wieder nach Deutschland zurückkam. Aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgten nach und nach die notwendigen Eintragungen in die Sortenlisten.Es ist anzunehmen, dass Müller einfach einer Verwechslung aufsaß, als er die neue Rebsorte züchtete, er hatte aber angeblich manchmal Zweifel, ob seine eigenen Angaben wirklich zutreffen. So stellte sich also heraus, dass der nach Herrn Müller aus dem Schweizer Kanton Thurgau benannte Müller-Thurgau in Wahrheit Riesling x Madeleine Royale als Eltern hat. Die zahlreichen Synonyme, in denen der falsche Kreuzungspartner Silvaner Verwendung findet - der bekannteste ist Rivaner und in der Schweiz heißt er kurioserweise Riesling x Silvaner - durften ihren Namen aber trotzdem behalten. Der nächste Irrtum im Zusammenhang mit Müller-Thurgau tauchte dann bei der neuen Vaterrebe Madeleine Royale auf, als man diese zunächst als Gutedelspross einstufte. Ebenfalls per DNA-Untersuchungen konnte dann ein Mitglied der Pinot-Familie als Mutter und unser Trollinger als Vater ermittelt werden.Müller-Thurgau steht weltweit auf knapp über 40.000 Hektar Rebfläche, ca. 13.000 Hektar davon in Deutschland (Schwerpunkte: Rheinhessen, Baden, Pfalz, Franken), er musste dem Riesling allerdings nach Belegung einer Fläche von fast einem Viertel ganz Rebdeutschlands bis in die 90er-Jahre hinein die Führerschaft wieder überlassen. Müller-Thurgau ergibt fruchtig-feinwürzige Weißweine mit dezenter Säure, der vor allem jung ein außerordentliches Geschmackspotenzial besitzt. Seine zart aromatisch-duftige Art macht ihn dabei zu einem sehr angenehmen Essensbegleiter, zumal wenn die Erträge zurückgefahren werden. PB20130815

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