Markenwein

 Weine mit Phantasie- oder Produzentennamen und immer gleichem Typus und Geschmack für hohe Wiedererkennbarkeit Gar nicht wenige Weintrinker sind für Abwechslungen oder Überraschungen nicht immer so recht aufgelegt. Im Grunde erwarten sie für ihre Art des Genießens, dass ein Wein möglichst immer gleich (gut) schmeckt, was gar nicht verwundert. Weinfreunde, die in ausgewiesenen Weinbaugegenden wohnen, gehen dafür zu ihrer Genossenschaft oder zu ihrem Winzer, die zwar die Jahrgangsunterschiede nicht so leicht angleichen können wie eine große Kellerei, aber doch immerhin eine gewisse Kontinuität bieten, was den Stil anbelangt. Wer jedoch in Städten oder überhaupt weitab von weinbaulicher Aktivität lebt, kauft seinen Wein in der Regel im LEH, der Domäne der Markenweine, seltener jedenfalls im Fachhandel. Im LEH reiht sich ein Markenwein neben dem anderen und jeder verspricht mit seinem Phantasienamen einen jeweils immer gleichen Geschmack - immer gleich süß, immer gleich fruchtig, immer gleich viel Alkohol und das über Jahre hinweg möglichst zum immer gleich niedrigen Preis. Gleichwohl wird von den großen Kellereien, die Markenweine in enormen Mengen in den Markt werfen, genau beobachtet, ob sich der Trend (oder das, was sie dafür halten) von trocken zu süß, von süß zu trocken oder wie neuerdings eher von fast halbtrocken zu feinherb entwickelt, was in die Produktion oft schneller eingeht, als der Verbraucher es merkt. Markenweine können in jeder Qualitätsstufe (mit jedem Prädikat) angeboten werden, solange die weinrechtlichen Vorgaben erfüllt sind. Um den gewünschten Geschmack zu erzielen, wird eine Reihe von Weinen aufgekauft, auf eine bestimmte Weise verschnitten und vom Süßegrad so eingestellt, dass die dauerhafte Reproduzierbarkeit sichergestellt ist, auch im nächsten Jahr. Um die Aufmerksamkeit des Verbrauchers auf genau diesen Markenwein zu lenken, werden oft so genannte verkaufsfördernde Maßnahmen am POS (Point of Sales - dort wo verkauft wird) ergriffen und mit allerlei optischen Mitteln (Urlaubserinnerungsplakate etc.) und Gewinnspielen bzw. Rabattaktionen unterstützt. Weil man den Geschmack von möglichst vielen Menschen treffen will, werden oft so genannte Ranges einer Marke zusammengestellt, also verschiedene Weine unter einem Markennamen und zu vergleichbarer Qualität und ähnlichem Preis, aber verschieden in Farbe, Geschmacksrichtung oder Rebsorte. Der einzelne Wein heißt dann zum Beispiel nicht einfach nur Bongeronde, sondern Bongeronde Syrah o. ä. Und es kommt natürlich auch wesentlich darauf an, dass die Markenweine im Regal wiedererkannt werden: An der Ausstattung, am Namen, an der Stelle im Regal, wo sie immer stehen. Was man nicht mit Markenweinen verwechseln sollte, sind Weine, die Namen wie Chianti oder Rioja etc. tragen. Auch wenn es im ersten Moment so scheint, sind das keine Markennamen, sondern Bezeichnungen für eine oft recht eng gefasste Herkunft. Während man von einem beliebigen Markenwein oft nur weiß, dass er aus Deutschland kommt und manchmal aus welcher Rebsorte er gemacht wurde, ist die Herkunft eines Riojas auf das Gebiet rund um die nordspanische Stadt Logrono begrenzt, die Qualität ist an die strengen Regularien für Rioja gebunden. Manchmal erscheint aber auch der Name eines Produzenten sehr prominent auf dem Etikett; diese Weine haben oft Markencharakter, der Name des Produzenten ist die Marke und sie werden auch in der für diese Kategorie typischen Art und Weise hergestellt.PB20130808

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