Keuper

 Komplexer Bodentyp (Keuperverwitterungsboden)Der Name Keuper wurde in den 20er-Jahren des 19. Jahrhunderts im Fränkischen geprägt, als Geologen das an der Oberfläche teils bröckelige Gestein erstmals als eigenständige Formation und obersten Teil des später so genannten Trias definierten, entstanden vor etwa 230 bis 200 Millionen Jahren. Nun ist Keuper aber kein homogenes Gebilde, dem man immer gleiche Auswirkungen auf die Rebe zuordnen könnte. Vielmehr besteht Keuper aus drei voneinander verschiedenen Schichten, dem Unteren, Mittleren und Oberen Keuper. Diese sind ihrerseits in Zonen unterteilt, die die klimatischen Bedingungen zur Zeit ihrer Entstehung repräsentieren und entsprechend unterschiedlich zusammengesetzt sind. Je nachdem, ob ein Weinberg nun auf eher gipsartigem, tonigem oder „schilfsandsteinernem“ Untergrund angelegt ist oder auch über verschiedene Untergründe hinweg (und wie dort rigolt wurde!), unterscheiden sich die darüber liegenden Böden in Wasser- und Wärmeverfügbarkeit, Durchlüftung und Mineralhaushalt.  Der Begriff Keuper reift seit einiger Zeit zu einer Art Qualitätsvokabel findiger Produzenten, Weinjournalisten und Marketingleute heran, weshalb es kein Fehler ist, wenn man weiß, was dahintersteckt, wenn einem verheißungsvoll „Riesling vom Keuper“ offeriert wird. Im Zug des aus Frankreich importierten „Terroir-Gedankens“ wird dem Untergrund eines Weinbergs heute immer mehr Beachtung zuteil, vor allem in Bezug auf die Aromenausprägung. Ein gewisser Zusammenhang ist zwar nicht von der Hand zu weißen, allerdings wird der direkte Einfluss des Untergrundes zumindest auf konkrete Düfte und Geschmäcker ein wenig überschätzt. Ist die Aussage „Riesling auf Keuper“ demnach ähnlich unspezifisch wie „Camembert auf Brot“? Falsch, sagen manche, Riesling entwickle auf Keuper durchaus exotische Fruchtaromen wie Honigmelone und Mango. Gut unterrichteten Kreisen zufolge ist jedenfalls der Einfluss von Kalk, Ton und Sand (alles irgendwie auch Bestandteil von Keuperböden) auf die Struktur eines Weins durchaus spürbar: Kalk gebe dem Wein etwas Weiches, Ton die Fülle und sandige Anteile sorgten (je nach Zusammensetzung) für Lebendigkeit. PB20130625 

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