ITALIEN

 Eines der größten Weinbauländer weltweitItalien ist mit rund 800.000 Hektar nach Frankreich (ca. 825.000) und Spanien (ca. 1.080.000) das drittgrößte Weinbauland der Erde, wobei die Fläche in den letzten 20 Jahren um über 200.000 Hektar abgenommen hat. Bei der Weinproduktion liegt Italien zurzeit (2010) mit Frankreich gleichauf an der Spitze (ca. 45 Mio. Hektoliter).  Etwas weniger als die Hälfte davon wurde exportiert, das größte Kontingent ging nach Deutschland (ca. 6,4 Mio. Hektoliter), der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch in Italien liegt bei etwa 30 bis 33 Liter Wein. Italien ist politisch in 20 Regionen unterteilt, jede stellt eine eigene Weinbauregion mit ihren Landweinen (IGP - siehe dort) dar. Für die Aufteilung nach Qualitätsweinen sind eigene DOC/DOCG-Bereiche (siehe dort) eingegrenzt, die auch nach der EU-Weinmarktreform von 2009 (seither auch DOP) erhalten geblieben sind, um DOC und DOCG weiterhin qualitativ zu unterscheiden. Die Regionen mit den hochwertigsten Weinen waren lange Zeit Piemont, Toskana, Südtirol und Friaul, in den letzten Jahren ist die Qualität vieler Weine aber auch in den anderen Regionen stark gestiegen, besonders in den südlichen Regionen Apulien und Sizilien.Die Geschichte des italienischen Weinbaus ist lang und vielfältig. Nach Italien gebracht wurde der Weinbau wie so Vieles von den Griechen vor rund 2.500 Jahren. Seither gab es vor allem in der Hochzeit des Römerreiches bereits tiefer gehende Kenntnisse und ausgefeilte Methoden zur Weinbereitung, was in teilweise umfangreichen Schriften belegt ist. Während nach dem Untergang des Römischen Reiches der Weinbau auf einen Tiefpunkt zurückfiel, brachten Jahrhunderte später vor allem Mönche in den Klöstern den Weinbau wieder nach oben. Eine der ersten konkreten Abgrenzungen eines Weinbaugebietes, später auch mit entsprechenden Regularien versehen, fand in der Toskana mit dem Chianti-Gebiet statt (siehe dort), wo auch heute noch eine der Keimzellen italienischer Weinqualität und Innovationen besteht. Dort, nämlich in der Toskana, begannen in den frühen 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts innovative Winzer, das eher unflexibel gestaltete italienische Weingesetz auszuhebeln, indem sie ihre besten Produkte als Tafelweine anboten. Hintergrund waren (und sind teilweise noch) die sehr eng ausgelegten DOC- und DOCG-Regularien, die sehr konkrete Weinbereitungsvorschriften samt Ausschluss oder Verwendung bestimmter Rebsorten vorschrieben. Mag die Weingesetzgebung in Italien dazu beigetragen haben, das Niveau insgesamt anzuheben, stand es den fortschrittlichen Winzern auf höchster Ebene doch gewaltig im Wege. So entstanden die so genannten Super-Tuscans, oft Verschnitte aus der damals für den heimischen Chianti etc. nicht zugelassenen Cabernet Sauvignon oder Merlot mit der toskanischen Urrebe Sangiovese. Der Ausbau im Barrique wurde geprobt und immer mehr verfeinert und teils sehr lange Lagerzeiten, wie sie zum Beispiel für Chianti Riserva oder Brunello di Montalcino vorgeschrieben waren (und vor einiger Zeit verkürzt wurden) den individuellen Bedingungen angepasst. Der italienische Staat wollte natürlich nicht, dass seine besten Weine als Tafelwein vermarktet werden, weshalb nach langem Tauziehen einige neue DOC-Gebiete entstanden, die ziemlich genau die gewünschten Regularien für den jeweiligen Wein enthielten z. B. für den legendären Sassicaia (1994).In anderen Regionen, wie z. B. im Piemont, war die Entwicklung anders gelagert. Hier wurde nicht allzu heftig an den traditionellen Größen Barolo und Barbaresco gerüttelt, was sicher damit zu tun hat, dass die dazugehörige Rebsorte Nebbiolo den Barrique-Ausbau nicht so mag und sich die so genannten Traditionalisten unter den Barolista weitgehend durchgesetzt haben. Hier gilt die Innovation der auf den ersten Blick als "Allerweltssorte" eingestuften Barbera, die im Piemont mit modernen Methoden zu wahrer Größe gelangt ist. Auch die Schaumweinproduktion hat im Piemont ungeahnte Höhen und Qualität erreicht. Die traditionell auch stark an weißen Rebsorten ausgerichteten Winzer in Südtirol, im Veneto oder im Friaul haben mit modernster Technik viele sehr ansprechende Weine "erfunden", allerdings zu teilweise recht hohen Preisen. Aus dem Veneto stammt auch der berühmte Prosecco (siehe dort), der in den vergangenen Jahren einige Wandlungen auch bezeichnungsrechtlicher Art durchgemacht hat.Weitere Details finden sich unter einzelnen Stichwörtern in diesem Glossar.PB20130616

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