Herkunft

 Wichtige Angabe auf dem Etikett Es ist keine Frage: Die Herkunft eines Weins ist wahrscheinlich das wichtigste Kriterium beim Weinkauf und stellt somit eine Entscheidungshilfe ersten Ranges dar, wenn ein Käufer sich am Regal noch unsicher ist, welchen Wein er auswählen soll. Umgekehrt ist die Entscheidung für eine bestimmte Herkunft oft mit emotionalen Erlebnissen verbunden, aus denen sich Vorlieben entwickelt haben. Ob die emotionale Präferenz heimatlich geprägt ist (was oft der Fall ist) oder von anderen Einflüssen gespeist wird wie Urlaub oder Affinität zu bestimmten Regionen oder Kulturen - einmal Eingeschworene ändern ihr Kauf- und Trinkverhalten nicht mehr so schnell.Das Wort Herkunft lässt sich von einer vergleichsweise großen Fläche wie einem ganzen Erdteil über einzelne Weinbauländer und ihre Regionen hinunterbrechen bis auf eng umrissene Appellationen, die nicht selten noch einmal in teilweise kleinste Parzellen unterteilt sind. Die Herkunft ist insofern auch immer engstens verknüpft mit dem Begriff Qualität, außer in Deutschland, wo parallel zu der seit 2009 eingeführten Neuordnung der Herkunftsangaben nach wie vor die Prädikate gelten. Da die Appellations-Systeme auch EU-weit nicht einheitlich sind, konzentrieren wir uns an dieser Stelle auf ein Beispiel:Deutschland: Der größte Rahmen zeigt ganz Weinbau-Deutschland als nationale Herkunft für die einfachste Stufe Deutscher Wein oder Wein aus Deutschland, früher Deutscher Tafelwein. Es folgen - eine kleine Stufe höher - Landweingebiete, aus denen Weine mit einer geschützten geografischen Angabe (g.g.A.) stammen. In Bezug auf die nächste Stufe Qualitätswein (inkl. der Prädikatsweine), der heute auch Wein mit geschützter Ursprungsbezeichnung heißt (g.U.), ist Deutschland - unabhängig von den Landweingebieten - in 13 bestimmte Anbaugebiete unterteilt, eines davon ist Württemberg. Das Anbaugebiet Württemberg besteht seinerseits aus 6 Bereichen, von denen eines Remstal-Stuttgart heißt. Als Herkunft haben diese Bereiche beim Verbraucher nur sehr wenig Bedeutung. Innerhalb der Bereiche gibt es mehrere Großlagen, denen wiederum die Einzellagen zugeordnet sind - hier endet der gesetzliche Rahmen.Jedoch können diese Einzellagen noch einmal nach dem so genannten Terroir-Gedanken klassifiziert werden, was besonders der VDP - Verband Deutscher Prädikatsweingüter nach französischem Vorbild vorantreibt. Diese Klassifizierung betrachtet die einzelnen Komponenten des Lagen-Terroirs wie Böden, Kleinklima, Exposition, Hangneigung etc. im Verhältnis zu den erzielten Ergebnissen. Was bei den Franzosen Grand oder Premier Crus sind, heißt dann beim VDP z. B. Große Lage und der daraus stammende Wein Großes Gewächs, was aber noch nicht auf dem Etikett stehen darf (im Rheingau genießt die Erste Lage bzw. das Erste Gewächs einen bezeichnungsrechtlichen Sonderstatus). In Ländern wie Frankreich und Italien ist das Appellations-System etwas anders aufgebaut. In Italien z. B. ist einzelnen teils sehr kleinen Gebieten in konkretem Bezug auf die produzierten Weine ein bestimmter Qualitätsweinstatus zugeordnet (DOC bzw. DOCG), versehen mit Regularien für die Weinbereitung. Einzelne Lagen tauchen hier nur in traditionell lagenorientierten Regionen wie dem Piemont auf, allerdings heißt die Regelung lediglich, dass die Lagenangabe bezüglich der Herkunft der Trauben korrekt sein muss. Eine offizielle Klassifizierung gibt es nicht; dafür wissen kundige Weinfreunde Bescheid: Wer einen besonderen Lagen-Barbaresco erstehen möchte, fragt zu allererst nach einem Rabaja!In Frankreich (siehe dort) ist die Herkunft nach Appellationen unterteilt, die immer kleiner werdend im Burgund bis in die kleinste Lage, im Bordeaux bis zum einzelnen Château reicht. Diese Klassifizierungen sind teilweise schon sehr alt und wurden bis heute auch kaum angepasst - sehr zum Leidwesen hochklassiger Cru Burgeois im Bordeaux-Gebiet, die von der traditionellen Abstufung nur insofern erfasst werden, als sie - quasi an sechster Stelle - weit hinten anstehen müssen, bei teils hervorragenden Ergebnissen. Herkunft findet natürlich auch übergeordnet und für unsere Verhältnisse mit teilweise abenteuerlichen Weinbereitungs-Vorschriften bzw. -Nichtvorschriften statt. Insofern kann man den Wein-EU-Raum als sehr erfreuliches, in sich geschlossenes Herkunftsgebilde betrachten, hier sind gesetzliche Regelungen z. B. auch an die Klimaverhältnisse angepasst, Thema Weinbauzonen, mit einem Länder übergreifenden Konsens. Fraglos sind Weine aus Übersee - Australien, Neuseeland, Südafrika, Chile, Argentinien, USA etc. - ebenfalls von einer Herkunft, geprägt vom jeweiligen Klima, manchmal aber auch von technischen Möglichkeiten, die in unseren Breiten nicht erlaubt sind; die Chips (siehe dort) haben es aber bereits geschafft ...PB20130607

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