French Paradox

French Paradox 1 → Beobachtung, dass Franzosen evtl. länger leben als AmerikanerFrench Paradox 2 → Beobachtung, dass Franzosen mehr Wein trinken und noch fetter essen als AmerikanerFrench Paradox 3 → Schlussfolgerung: Französischer Wein muss sehr gesund sein French Paradox 4 → Ergebnis: Französisches Konstrukt zur besseren WeinvermarktungDas ist natürlich Satire, wenn nicht Realsatire, dennoch ist es das Thema wert, ein paar Worte dazu zu sagen: Das French Paradox ist eine der umstrittensten Aussagen der Weinbranche, weil sie direkten Bezug auf eine angeblich gesundheitsfördernde Wirkung von (Rot-)Wein nimmt, ohne dass diese Aussagen einer streng wissenschaftlichen Überprüfung bisher standgehalten hätten. Die seit Jahrzehnten immer wieder auftauchende Vermutung wurde im Jahr 1992 von einem Professor der Universität Bordeaux aufgegriffen und nach eigenen Untersuchungen als French Paradox neu postuliert. Dabei standen nicht nur die reinen Beobachtungen am Verhalten und der Lebenserwartung von Rotweintrinkern und Abstinenzlern bzw. Franzosen und Amerikanern im Vordergrund, sondern auch neuere Erkenntnisse zur möglicherweise positiven Wirkung von phenolischen Verbindungen auf die menschliche Gesundheit. Zusätzlich wurde eine angenommene positive Wirkung von mit dem Wein in mäßiger Dosierung aufgenommenem Ethylalkohol diskutiert. Zwar sind einzelne Ergebnisse wie die Wirkung von Antioxidantien (Resveratrol) ein Stück weit nachgewiesen, aber nicht, ob sich die gefundenen Vorgänge tatsächlich im menschlichen Körper auch so abspielen (können). Auch ist eine gewisse förderliche Wirkung geringer Alkoholmengen nach wie vor im Gespräch, die Risiken werden jedoch in Mengenbereiche verschoben, die von Seiten der Ärzteschaft stark angezweifelt werden. Die statistischen Werte, die dem French Paradox zugrunde liegen, sind überdies nicht haltbar. Das liegt zum einen daran, dass die Beobachtungen nicht auf andere Länder mit vergleichbaren Voraussetzungen übertragbar sind, zum anderen wird - in diesem Zusammenhang - angezweifelt, ob die Basisaussagen bezüglich der Gesundheit von Franzosen überhaupt korrekt sind. Es sollte auch Berücksichtigung finden, dass es zu diesem Thema keine entsprechenden Ergebnisse von neutraler Seite gibt. Gleichwohl müssen gesunde Menschen wohl nicht ihren Arzt oder Apotheker konsultieren, bevor sie sich ein Glas Wein einschenken, wie es mit dem zweiten oder dritten Glas aussieht bzw. wie viel Wein eigentlich ein Glas genau ist, lässt sich von dieser Stelle allerdings schon nicht mehr beurteilen.PB20130520

Zurück