Chianti

Toskanische DOCG-RegionDer Chianti hat eine sehr lange, vor allem aber wechselvolle Geschichte. Der Beginn könnte datiert werden auf die Zeit Karls des Großen (etwa 800 n. Chr.), der aber selbst damit nichts zu tun hatte. Damals tauchte der Name Chianti als Bezeichnung für das sehr waldreiche Gebiet zwischen Florenz und Siena auf und hatte wahrscheinlich die Bedeutung "Klang eines Jagdhorns" oder ähnlich. Um etwa 1260 wird im so genannten Tagebuch der Stadt Florenz erstmals der Name einer Rebsorte erwähnt (Vermiglio), die auf Weinbau im Chianti hindeutet. Nur 40 Jahre später wird von den Florentinern eine erste Verbrauchssteuer für diesen Wein festgelegt. Um 1360 taucht erstmals der Begriff "Governo" im Zusammenhang mit Wein auf, eine für Chianti bis in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts angewandte kellertechnische Maßnahme, bei der kurz vor Ende der Gärung zwecks Auffrischung noch einmal bis dahin stumm gehaltener Traubensaft zugegeben wird.Um 1400 schließlich wird erstmals der aus dem Chianti-Gebiet (um Greve) stammende Wein ebenfalls mit Chianti bezeichnet. Nur kurze Zeit später findet sich in den Statuten der Stadt Florenz eine Art räumliche Eingrenzung für die Herkunft des so bezeichneten Weines, aber noch ohne strikten Gesetzescharakter. Bis Anfang des 18. Jahrhunderts entwickelt sich Chianti zum bevorzugten Wein der Engländer, was einen Export in großem Umfang nach sich zieht. Im Jahr 1715 legt Cosimo III vom Geschlecht der Medici im so genannten "Bando" das Gebiet der "Lega del Chianti" (des alten toskanischen Schutzbundes) als eng umrissenes Weinbaugebiet gesetzlich fest; Carmignano und Pomino, die außerhalb liegen, werden hinzugerechnet.Anfang des 19. Jahrhunderts nimmt die Bedeutung des Chianti mit dem Aufstieg der Bordeaux-Weine spürbar ab, was zu allerlei Versuchen führt, den Wein aufzuwerten. Dies gelingt ab 1825 Baron Bettino Ricasoli, der mit einem Mischsatz verschiedener Sorten experimentiert und dabei die für damalige Verhältnisse geniale Komposition aus den roten Sangiovese (50 bis 80 %) und Canaiolo (10 bis 30 %) und den weißen Trebbiano und Malvasia (zusammen 10 bis 30 %) findet - das "Rezept" hat dann Gültigkeit bis weit in die 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts.Frankreich wird zum Exportmarkt (besonders Bordeaux), weil dort die Reblaus viele Rebbestände vernichtet hat. Allerdings lässt wegen der großen Nachfrage die Qualität der Weine nach. Als Reaktion darauf und auch um Manipulationsversuchen zu begegnen, gründet sich 1903 zunächst das Sindicato Enologico Chiantigiano, im Jahre 1924, nach etlichen Versuchen eine Neuordnung statt nach Herkunft nach Charakteristika der Weine zu entwickeln, das Consorzio del Vino Chianti Classico, das aus 30 Mitgliedern bestand. Mit den Gemeinden Castellina, Radda, Gaiole, Greve, Castelnuovo Berardenga und Teilen von Poggibonsi und San Casciano waren die Grenzen des noch heute gültigen Chianti-Classico-Gebietes abgesteckt. 1927 gründete sich das Consorzio Chianti Putto, das für die Chianti-Gebiete um das Classico herum zuständig war und die Gebiete um Pisa, Arezzo und Siena einschloss. 1932 schließlich legte die italienische Regierung neben dem Chianti Classico auch diese (damals noch sechs) Gebiete namentlich und eng umgrenzt fest. Chianti Montalbano westlich von Florenz, Chianti Rufina östlich von Florenz, Chianti Colli Fiorentini vorwiegend südlich von Florenz, Chianti Colli Senesi um Siena herum, Chianti Colli Aretini um Arezzo und Chianti Colli Pisane um Pisa. 1997 wurde noch Chianti Montespertoli aufgenommen. In diesen Regionen und in einem noch einmal abgegrenzten Gebiet drumherum gibt es die Möglichkeit Chianti ohne irgendeinen namentlichen Zusatz zu produzieren.1967 erhielt Chianti DOC-Status, 1984 DOCG-Status, der berühmte schwarze Hahn ist das ehemalige Zeichen des Schutzbundes Lega del Chianti, seit Gründung des Consorzio Gallo Nero ziert er als Verbandszeichen alle Flaschenhälse der Mitglieder. Seit dem Aufstellen der ersten DOCG-Statuten haben sich einige Veränderungen ergeben, vor allem im Zusammenhang mit der Zulassung von Rebsorten. Der alte Chianti-Mischsatz ist heute dahin, u. a. hat die Rebsorte Cabernet Sauvignon Einzug gehalten, was nicht jeder begrüßt hat, die neueren Regeln sehen (grob) so aus: 80 % müssen Sangiovese sein, der Rest Canaiolo, Cabernet Sauvignon, Merlot und zum Färben Colorino, weiße Sorten sind verboten. Die Weine müssen trocken ausgebaut sein (max. 4 g/l Restzucker) und mindestens 12 % Vol. Alkohol vorweisen können (Riserva 12,5). Die vorgeschriebene Lagerzeit beträgt beim Classico ein Jahr, bei der Riserva zwei Jahre, davon ein Vierteljahr auf der Flasche (früher waren es drei Jahre!). Darüber hinaus gibt es wie bei allen Qualitätsweinen eine Reihe von Regeln z. B. für den Säuregehalt, Extraktwerte, Höchstertrag etc.Chianti allgemein wird von rund 7.000 Produzenten und Winzern auf einer Fläche von 24.000 Hektar bereitet, der Anteil des Chianti Classico beträgt etwas mehr als ein Viertel. Chianti Classico hatte noch bis in die späten 80er-Jahre, als noch keine Barrique-Seuche über dem Wein lag (Barrique ist heute erlaubt!), ein sehr charakteristisches Geschmacksbild, hier eine beispielhafte Beschreibung für einen 1983er Chianti Classico Riserva aus Radda, aufgezeichnet 1990 vom Autor:"Bei diesem Chianti macht sich das Lüften besonders positiv bemerkbar. Während direkt nach dem Öffnen die Nase in ein schönes, fruchtiges Bukett taucht, das leicht an Laub und Waldfrüchte erinnert, ist er im Geschmack zunächst sehr hart und sogar leicht bitter. Das ändert sich nach etwa 90 bis 120 Minuten. Dann wirkt er geschmeidig, ohne ölig zu sein und entwickelt einen weichen, warmen, im Übrigen typischen Chianti-Ton, der ihn als auf dem Höhepunkt seiner Reife ausweist. Das angedeutete Amberrot im ansonsten tiefen Rubin deutet in die gleiche Richtung."PB20130507 

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