1955er

In Nordeuropa genoß man den schönsten Sommer seit hundert Jahren - aber die Sonne hielt sich wohl nur oberhalb des 50. Breitengrades auf, denn die Weinbaugebiete wurden von ihr nicht verwöhnt: Der Wein war höchst mittelmäßig, der Ertrag mit 2,4 Millionen Hektolitern kaum zu nennen. Durchschnittlich waren es gut 40 Hektoliter pro Hektar. Den fehlenden Glanz dieses Jahres musste die deutsche Weinkönigin ausgleichen, Irmgard Mohler aus Bergzabern in der Pfalz. Noch einmal machte der Fröhliche Weinberg von sich reden, denn an seinen Verfasser Carl Zuckmayer ging der Weinkulturpreis jenes Jahres. Schade, dass sich der Heinrich Spoerl gerade aufgemacht hatte in den Himmel. Ja, Wenn wir alle Engel wären, hieß die reizende Geschichte, die er in einem Weinheim an der Mosel hatte spielen lassen - verfilmt wurde sie in dem romantisch-verschachtelten Moselort Beilstein. Aber vergessen wir über den Wein und die Mosel nicht Moskau und die große Politik: Adenauer war mit einer Delegation in den Kreml gereist und hatte die Entlassung der letzten immer noch festgehaltenen deutschen Kriegsgefangenen erreicht. Gegen die Stimmen der SPD billigte der Bundestag die Pariser Verträge, die das Besatzungsrecht beendeten und die Bundesrepublik zum Mitglied der NATO machtne.Im Grenzland war die Bevölkerung wieder einmal zur Abstimmung aufgerufen: Das Saarland sollte im Rahmen der Westeuropäischen Union ein europäisches Statut erhalten. Mit einer Zweidrittelmehrheit lehnten die Saarländer das Saarstatut ab. [Quelle: ] Württemberger Weinkönigin 1955-1957: Hildegard Diebold (später Rühl), Mühlhausen

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