1947er

Nach einem sehr kalten Winter folgte in ganz Mitteleuropa ein extrem regenarmer und heißer Sommer - es war die bisher wärmste und sonnenscheinreichste Vegetationsperiode des Jahrhunderts. Da aber der Sommer viel zu trocken war, brachte der Herbst eine Weinqualität, die nur wenig über dem Durchschnitt lag. Es gab aber auch, so im Rheinhessischen und an der Mosel und Saar, ausgezeichnete Weine. Der Ertrag war mit 1,15 Millionen Hektolitern - 21,5 auf den Hektar - eher gering. Aber der Jahrgang, ganz im Sinne der dürren Nachkriegszeit, wurde wieder getauft: Knochenrappler hieß er, weniger schön als zutreffend. Der Spitzname dieses Jahrgangs Heringswein, hatte übrigens nicht mit der Säure zu tun, sondern mit dem Schwarzen Markt, der seine Sumpfblüten trieb:Aus dem Ruhrgebiet kamen die Leute mit den Heringen an Rhein und Mosel, und mit Wein fuhren sie wieder heim - das heißt, falls es klappte, falls der riskante Übergang von der britischen in die französische Zone und zurück sie nicht an der Grenzstation Remagen aller Schätze beraubte. Allmählich übrigens begannen sich die drei westlichen Zonen und die sowjetische Besatzungszone voneinander zu trennen. Wolfgang Borcherts Heimkehrerdrama Draußen vor der Tür bewegte die Menschen, ging ihnen unter die Haut, denn es war ihr eigenes Erleben. Um die Literatur, die Sprache zu retten, die jahrelang mißbraucht worden war, fanen sich in der Gruppe 47 Schriftsteller wie Hans Werner Richter, Günter Grass, Heinrich Böll, Günter Eich und Ingeborg Bachmann zusammen.[Quelle: ]

Zurück