1939er

Fast drei Millionen Hektoliter Most kam [in Deutschland] in die Keller, der Ertrag pro Hektar lag bei 41,6 Hektolitern [etwa 52 kg/ar]. Die Qualität war mittelmäßig. Der 39. Kongress des dem Reichnährstand einverleibten Weinbauverbandes sollte in Bad Kreuznach stattfinden - aber der Krieg kam dazwischen, der Zweite Weltkrieg, den Hitler mit seinem Überfall auf Polen begann - da verspürte offenbar niemand mehr die Lust, den Weinjahrgang zu taufen. Hatte er doch zuletzt, 1938, allzu optimistisch »Friedenstropfen« gehießen. Die Jahrgänge bis einschließlich 1946, ob gut oder schlecht, blieben ungetauft.Eine Bombe im Münchener Bürgerbräukeller, die Hitler töten sollte verfehlte ihr Ziel.Die Fanfaren aus »Les Préludes« von Liszt verkündeten im Radio militärische Siege, aber daheim gab es Karten, die den Bezug von Lebensmitteln und Kleidung rationierten.Was blieb da anders als die schönen Illusionen der filimmernden Leinwand? Willy Forst brillierte als »Bel Ami«; Hans Moser, Heli Finkenzeller und Theo Lingen sorgten für Vergnügen beim »Opernball«; und dann gab es noch den Zarah-Leander-Film »Es war eine rauschende Ballnacht«(Quelle:)Im Remstal verdarb ein früher Frost am 21. September 1939 die Trauben noch am Stock. Die Weinherren, das waren die Gastronomen, die die Lese gleich im Herbst kaufen, einlagern und vermarkten sollten, schlugen jedes noch so verzweifelte Angebot aus. Noch im gleichen Herbst beschlossen die Weingärtnergenossenschaften im Remstal, die zwar eigene Keltern aber kein Keller hatten, eine eigene Kellerei zu gründen. Im Folgejahr wurde das vollzogen.

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