100-Punkte-System

Weinbewertungssystem mit einer Höchstnote von 100 PunktenDas 100-Punkte-System zur Beurteilung und Benotung von Weinen ähnelt verschiedenen international üblichen Schulnotensystemen. Für Wein beginnt es allerdings erst bei einer Punktzahl von 50 für das denkbar schlechteste Abschneiden und endet bei 100 Punkten für einen fast utopisch anmutenden Wein. Die Abstufung lautet: 50 bis 74 gilt als schwach, 75 bis 79 als durchschnittlich, 80 bis 84 als gut, 85 bis 89 als sehr gut, 90 bis 94 als bemerkenswert gut und 95 bis 100 als herausragend. Da die Bewertung erst bei 50 Punkten beginnt, ist es in Wahrheit ein 50-Punkte-System, das maximal 5 Punkte für das Aussehen vorsieht, 15 für die Nase, 20 für den Geschmack und weitere 10 für die Harmonie, was manchmal auch mit "Gesamteindruck" bezeichnet wird. Die oft gehörte Meinung, dass dieses System von Robert Parker entwickelt wurde, trifft nicht zu, allenfalls kann man Parker zugutehalten, dass er das System bekannt gemacht hat. Zudem nimmt Parker eine andere Teilung und Benennung der einzelnen Stufen vor, wie auch eine Reihe andere Nutzer, darunter Falstaff, Winespectator oder auch Wein-Plus. Gerade Wein-Plus legt Wert darauf, insgesamt strengere Maßstäbe bei der Bewertung anzulegen, weshalb dort ein Wein mit 85 Punkten eher höher einzuschätzen ist als bei manch anderem Benoter. Die heute gängigen Weinbenotungsschemata sind einschließlich des hier besprochenen 100-Punkte-Systems eher neueren Datums. Sie sind bei Produzenten, beim Handel und auch bei vielen Verbrauchern durchaus willkommen, gelten aber bei Kritikern allesamt als umstritten. So soll ein wesentlicher Vorteil gegenüber reinen Weinbeschreibungen darin bestehen, dass durch die Noten eine gewisse Vergleichbarkeit erzielt würde, was nicht nur der Autor dieses Eintrags für ein arges Gerücht hält. Ein Minimum an Vergleichbarkeit wäre allenfalls zu erzielen, wenn derjenige, der sich an den Punkten orientieren möchte, weiß, nach welchen Kriterien der einzelne Verkoster bewertet - und das lässt sich über eine gute Weinbeschreibung, die zudem keine Objektivität vorgaukelt, besser erreichen. Gleichzeitig besitzen diese Bewertungen, je nach Verkoster, einen manchmal nicht nachvollziehbaren Werbewert. So hat sich inzwischen ein Markt für Weine jenseits von 90 (Parker-)Punkten etabliert, selbstverständlich mit einem entsprechenden Preisniveau. Dass bei solchen Konstellationen immer und allein die Qualität eines Weines im Vordergrund steht, ist zumindest fraglich. Gerade die Bewertungen durch Parker und sein Team hat aber noch einen anderen Effekt hervorgebracht: Seit längerer Zeit schon werden von manchen Weingütern Weine produziert, die sich in ihrem Typus unmittelbar am Gusto des Weinpapstes orientieren - die richtige Punktzahl ist somit garantiert.PB20140129 

Zurück